Breithaupt 1

I. Herkunft und frühe Jugend (1658-1676)

1. Eltern und Familie

Breithaupts Vorfahren väterlicherseits gehörten zu einer Pastorenfamilie aus Dransfeld im Herzogtum Calenberg-Göttingen.[1] Dort war sein Großvater Johannes Breithaupt (1570-1634) Superintendent. Dieser hatte von 1595 bis 1598 in Helmstedt Theologie studiert und übernahm 1611 das Pastorat an St. Martini in Dransfeld in Einheit mit der zuständigen Superintendentur. In diesen Ämtern starb er in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges, als gerade die Truppen Tillys über Dransfeld herfielen[2].

Johannes Breithaupts ältester Sohn Christian (15.5.1610 - 25.6.1663), der Vater von Joachim Justus, strebte auch ins Predigeramt. Nach dem Studium in Helmstedt (1628) und Marburg (1629), wo er 1632 zum Magister promovierte, wurde er schließlich, nachdem er zuvor bereits andernorts als Informator und Prediger tätig war, Anfang 1642 als Pfarrer der St. Sixtus- Kirche in Northeim unweit von Dransfeld in sein Amt eingeführt.[3]

Über Breithaupts Vorfahren mütterlicherseits liegen ebenfalls gründliche Informationen vor. Auch die Mutter stammte aus einer Theologenfamilie. Im Jahre 1638 heiratete Christian Breithaupt die Jungfer Anna Angelika Trost (15.3.1622 - 12.12.1703)[4], die Tochter des Pfarrers Vitus Trost aus Ellighausen und seiner Ehefrau Rosina Tornarius, Tochter des Superintendenten Johann Tornarius aus Dransfeld.

Als Christian Breithaupt 1663 starb, war der älteste seiner insgesamt vier Söhne gerade zwanzig Jahre alt. Doch war die Mutter, die nicht wieder heiratete, in der Lage, trotz karger Einkünfte für Haushalt und christliche Erziehung der Kinder zu sorgen.

Joachim Justus Breithaupt hatte insgesamt sechs Geschwister, drei Schwestern und drei ältere Brüder, die allesamt vor ihm den Weg zur Theologie gefunden hatten und von denen namentlich der älteste Bruder nach dem zeitigen Tod des Vaters für die frühe geistige Entwicklung seines jünsten Bruders von Bedeutung war.[5] 

2. Kindheit und Jugend

"Zur Stunde meiner Geburt", so schildert Breithaupt das Ereignis in seiner Lebensbeschreibung, "ist ein so starkes Gewitter, mit Donner= und Platz=Regen, eingefallen, daß dergleichen an dem Orte zur Winters=Zeit, für nicht erhört gehalten worden; und hat man dessen mich in meiner Kindheit öffters erinnert, damit ich destomehr in der Furcht GOttes wandeln möchte." [6] In Northeim, nördlich von Göttingen im Herzogtum Calenberg-Göttingen gelegen, wurde Joachim Justus Breithaupt am 17. Februar 1658 geboren. Bereits eine Woche später, am 25. Februar, fand die Taufe statt.[7] Schon kurze Zeit nach der Geburt des Sohnes folgte der Vater einem bereits im vorangegangenen Jahre an ihn ergangenen Ruf als Superintendent nach Hohnstedt, wo Joachim Justus Breithaupt offensichtlich die ersten fünf Jahre seines Lebens verbrachte. Als der Vater im Jahre 1663 starb, zog es die Mutter mit den noch bei ihr lebenden Kindern wieder ins heimatliche Northeim. Hier genoß Breithaupt die Fürsorge seiner drei älteren Brüder. Besonders Christoph Andreas Breithaupt (6.3.1643-15.8.1684), der älteste Bruder, hat sich intensiv um die Erziehung und Ausbildung seines jüngsten Bruders gekümmert.[8] Christoph Andreas Breithaupt kehrte um Michaelis 1663 nach Hohnstedt zu seiner Familie zurück, da er die Klosterschule in Walkenried, die er seit 1661 besuchte, aus gesundheitlichen Gründen verlassen mußte. Erst bei seiner Ankunft erfuhr er vom Tode des Vaters. Er blieb den Winter über bis Ostern 1664 bei seiner Familie und zog darauf auf die Universität Helmstedt. Im Januar 1667 übernahm Christoph Andreas, nachdem er seit 1666 als Hauslehrer tätig war, die vakante Stelle des Konrektors an der Schule im heimatlichen Northeim, welche zur gleichen Zeit Joachim Justus Breithaupt, wahrscheinlich bis 1672, besucht hat. Hier nahm Christoph Andreas Breithaupt, der 1669 den Magistergrad erhielt, seinen jüngsten Bruder nicht nur privat, sondern auch als sein Schullehrer in seine Obhut.[9] Im Jahre 1672 folgte Christoph Andreas einem Ruf als Konrektor nach Einbeck, und 1675 wurde er Lehrer an der Schule in Schöningen, bis er schließlich 1678 als Rektor wieder an die Northeimer Schule zurückkehrte.

Mit zwölf Jahren wurde Breithaupt im Jahre 1670 konfirmiert. Im Herzogtum Calenberg-Göttingen wurde mit der Kirchenordnung von 1542 auch die Konfirmation eingeführt.[10] Somit ist Breithaupt einer der wenigen dem Pietismus anhängenden Theologen, der konfirmiert wurde. Den Unterricht erteilte der Northeimer Senior M. Theodor Schmidt.[11]

Ob Breithaupt seine gesamte Schulzeit in Northeim verbracht hat, wissen wir nicht. Möglicherweise hat er noch bis 1672 die Schule in Northeim unter der Federführung seines ältesten Bruders besucht und ist um Michaelis desselben Jahres zur Fortsetzung seiner Schulbildung Christoph Andreas nach Einbeck, wo dieser eine Stellung als Konrektor annahm, und daraufhin im Jahre 1675 nach Schöningen gefolgt. Gewiß aber ist, daß zwischen ihm und seinem Bruder weiterhin enger Kontakt bestanden hat.[12]

3. Die frühen Studien

Breithaupts frühe Studien waren geprägt von einer starken Affinität zu den artes liberales des philosophischen Grundstudiums, also Grammatik, Rhetorik, Logik usw., sowie zum Sprachenstudium. Besonders beschäftigte er sich mit der Eloquenz und der Poesie.[13] In seiner frühen Jugend unterrichteten ihn seine Brüder bereits in den Sprachen und den Disziplinen, die ihn später auf der Universität erwarten sollten, sowie in allen Teilgebieten der Philosophie. Darüberhinaus las er die Werke der griechischen Dichter, den gesamten Vergil, den er zu einem großen Teil auswendig lernte, und ausgewählte Abschnitte anderer antiker Autoren, welche er zu zukünftigem Gebrauch exzerpierte, so daß er schließlich einen "apparatum Poeticum" zusammengetragen hatte, auf den er fortan immer wieder zurückgreifen konnte. Außerdem arbeitete er an einer epischen lateinischen Übertragung der Sprüche Salomos aus dem hebräischen Urtext. [14] 

Gleichzeitig aber wurde Breithaupt durch frühe geistliche Anfechtungen, über deren genaue Ursache wir nichts wissen, die er aber gelegentlich betont, und über die Lektüre der Werke des Hieronymus zum stetigen Bibellesen geführt. Außerdem nahm er sich die Nachfolge Christi des Thomas von Kempen, Johann Arndts Bücher vom Wahren Christentum und Joachim Lütkemanns Vorgeschmack Göttlicher Güte zur Hand.[15]

Breithaupts frühe Studien stehen also im Spannungsfeld einer rein philosophisch-rhetorischen Gelehrsamkeit und einem durch geistliche Anfechtungen verursachten stetigen Bibelstudium sowie dem Rückgriff auf Erbauungsbücher des Thomas von Kempen, Johann Arndts und Joachim Lütkemanns, deren Rezeption einer Hinwendung zum Pietismus Spenerscher Richtung Vorschub leisten konnte. Mit solcher Vorbildung bezog Joachim Justus Breithaupt 1676 die Universität Helmstedt, an der zuvor bereits sein Vater und seine drei Brüder studiert hatten. 

II. Studium in Helmstedt (1676-1679)

1. Die Universität Helmstedt

Als Breithaupt im Jahre 1676 nach Helmstedt zog, kam er im Gegensatz etwa zum der lutherischen Orthodoxie anhängenden Wittenberg auf eine einem liberalen Geist verbundene Universität. Fragt man nach den Wurzeln dieses liberalen Geistes, so muß man bis in die Gründungsphase der Universität zurückgehen. Ein Jahr nach Gründung der Universität Leiden, dem Zentrum des Späthumanismus, und ein Jahr vor Konstituierung der Konkordienformel, mit der eine tolerante und konfessionell ausgleichende Richtung in der lutherischen Kirche exkludiert wurde, gründete der Herzog Julius im Jahre 1576 die Universität Helmstedt. In den ersten Jahren noch der lutherischen Orthodoxie zuneigend, vollzieht sich unter dem Herzog Heinrich Julius (1589-1613), einem für Dichtung und Kunst begeisterten Fürsten, eine entscheidende Wandlung in der Hinwendung zum Leidener Vorbild. Die Verpflichtung zum Eid auf die lutherischen Bekenntnisschriften wurde erheblich gelockert. So konnten in die philosophische Fakultät zwei große Gestalten des Humanismus berufen werden: Johann Caselius (1533- 1613) und Cornelius Martini (1568-1621). Damit war die Vorherrschaft der Orthodoxie zumindest und zunächst in der Philosophischen Fakultät gebrochen. Beide Dozenten konnten ihr Amt ohne den üblichen Bekenntniseid antreten.[16]

Durch Georg Calixt (1585-1656), der von 1614 an bis zu seinem Tode als Professor an der Helmstedter Universität lehrte, drang dieser Geist auch in die Theologische Fakultät ein. Er selbst und in der Folge sein Sohn Friedrich Ulrich Calixt (8.3.1622-13.1.1701) haben die Theologie in Helmstedt bis ins 18. Jahrhundert hinein geprägt. Aufs ganze gesehen war "die Theologie Calixts ... eine das reformatorische Erbe bewahrende, pietistische Anliegen berücksichtigende Weiterbildung lutherischer Theologie im Geist des Humanismus."[17] Im einzelnen drang Calixt auf eine Unterscheidung von Theologie und Glaube, legte verstärkt Akzent auf die Durchdringung der theologischen Wissenschaft durch die Ethik, in dessen Folge sich der Glaube in der Praxis manifestieren sollte, und bemühte sich um eine Reunion der christlichen Kirchen unter Rückgriff auf die Konzilien und die Kirchenväter der ersten fünf Jahrhunderte (consensus quinquesaecularis).[18] Von diesem toleranten, maßvoll-irenischen Geist war die Universität Helmstedt geprägt, als der junge Breithaupt hier sein Theologiestudium aufnahm. 

2. Die Lehrer

In der Helmstedter Matrikel ist der Name Joachim Justus Breithaupt unter dem 12. April 1676 vermerkt.[19] Doch schon vor der offiziellen Immatrikulation hatte er regelmäßig Lehrveranstaltungen besucht und war mit den meisten Professoren bekannt.[20] Hierbei zahlte sich aus, daß seine drei älteren Brüder bereits in Helmstedt studiert hatten und so die Kontakte zwischen den Professoren und ihrem jüngeren Bruder herstellen konnten.

Der Professor der Eloquenz Christoph Schrader (29.9.1601-24.4.1680) war bereits im Jahre 1673 während einer Schulinspektion auf den fünfzehnjährigen Breithaupt aufmerksam geworden, als dieser im Rahmen eines Schulexamens mit einer vorzüglich gehaltenen Rede überzeugte.[21] Schrader selbst war auch ein Kind Helmstedter Schule. Im Jahre 1621 bezog er die Universität, und wenige Zeit später nahm ihn Georg Calixt, zu dessen hoffnungsvollsten Schülern er wurde, in sein Haus auf. Seit 1622 erhielt Schrader durch Vermittlung Calixts das Overbecksche Stipendium, eine Stiftung des Leidener Kaufmannssohnes Matthias van Overbeck, der sein Vermögen teilweise zur Wissenschaftsförderung an deutsche Studenten vergab zum Studium an der Universität Leiden. Dort immatrikulierte sich Schrader 1625 und vervollkommnete seine philosophischen und philologischen Studien. Nach acht Jahren nach Helmstedt zurückgekehrt, nahm er wieder Quartier im Hause Calixts, bis ihm im Oktober 1635 schließlich die Professur der Eloquenz in der Philosophischen Fakultät übertragen wurde. Der Theologie aber stand Schrader distanziert gegenüber. Einen Ruf auf die nach dem Tode Horneius' 1649 vakante Stelle in der theologischen Fakultät lehnte er ebenso ab wie Berufungen auf kirchliche Ämter.[22]

In seinen ersten beiden Studienjahren in Helmstedt besuchte Breithaupt Schraders wöchentliche Übungen in der Kunst der Rede.[23]

Zu nennen ist an dieser Stelle auch der Mediziner, Historiker und Polyhistor Heinrich Meibom (29.6.1638-25.3.1700). Eigentlicher Arbeitsbereich Meiboms war die Medizin. Nach ausgedehnten Bildungsreisen in die Niederlande, nach Süddeutschland, Italien, Frankreich und England erhielt der 1663 in Angers zum Doktor der Medizin promovierte Meibom im Jahre 1665 eine Professur in der medizinischen Fakultät der Universität Helmstedt. Während Breithaupts Studium wurde Meibom 1678 zudem Professor der Geschichte und der Dichtkunst. Es ist dann wohl auch die Poesie gewesen, die Breithaupt in Meiboms Vorlesungen gezogen hat.[24]

Während seiner Helmstedter Studienzeit lebte Breithaupt im Hause von Andreas Fröling (4.2.1629-3.8.1683). Fröling stammte ebenfalls aus Northeim und besuchte wie Breithaupt nach ihm die dortige öffentliche Schule. Im Jahre 1648 immatrikulierte sich Fröling in Helmstedt zum Studium der Philosophie und Theologie. Als die vakant gewordene Professur der Logik in der Philosophischen Fakultät wieder besetzt werden sollte, erhielt Fröling im Jahre 1657 den Ruf, welchem er auch folgte. Endlich wechselte er 1673 in die Theologische Fakultät und wurde zugleich Generalsuperintendent der Helmstedter und der angrenzenden Kirchen.[25] 

Neben Fröling lehrte Gerhard Titius (17.12.1620-7.6.1681) in Helmstedt Theologie. Titius immatrikulierte sich 1642 in Helmstedt, wo ihn drei Jahre später Georg Calixt in sein Haus aufnahm. Dort konnte er sich Vertrauen und Freundschaft der Familie erwerben. Mit Friedrich Ulrich Calixt zusammen widmete er sich philosophischen und theologischen Studien. Als Schrader 1649 den Ruf auf die Stelle von Horneius ablehnte, wurde Titius Professor der Theologie an dessen Stelle. Alle Religionsstreitigkeiten ablehnend, war er bemüht, auch den Vorwurf des Synkretismus, der Calixt und somit die Universität Helmstedt traf, zurückzuweisen oder doch zu mildern. 

In der Philosophischen Fakultät hatte Breithaupt bei Heinrich Wiedeburg (1.2.1641-14.5.1696) und dessen Bruder Christoph Tobias Wiedeburg (19.7.1647-5-12-1717) studiert. Beide hatten seinerzeit in Helmstedt studiert. Heinrich Wiedeburg war Professor der Metaphysik und Logik. Christoph Tobias Wiedeburg war seit 1679 Professor der Mathematik, erst 1697 Professor der Theologie. Ihn hat Breithaupt sicher nur kurze Zeit gehört.[26]

Diese Lehrer sind Breithaupt aus seinen Helmstedter Studienjahren namentlich in Erinnerung geblieben. Merkwürdigerweise nennt Breithaupt nicht ausdrücklich zwei der großen Gestalten unter den Professoren Helmstedts seiner Zeit. Man vermißt Friedrich Ulrich Calixt, der den Ideen seines Vaters Georg nacheiferte, aber an dessen Geist nicht heranreichte, und Hermann Conring (9.11.1606-12.12.1681), zu seiner Zeit einer der bekanntesten Naturphilosophen, Mediziner und Politiker, der aber auch auf dem Gebiet der Theologie wirkte.[27]

Es läßt sich nicht nachweisen, daß eine der genannten Helmstedter Lehrer auf Breithaupt besonderen Einfluß ausgeübt hätte. Alle zusammen aber verkörpern den typischen Geist Calixtinischer Richtung, wie er bis ins 18. Jahrhundert hinein für Helmstedt prägend geworden ist. Alle Professoren, bei denen Breithaupt studiert hat, mit Ausnahme von Meibom, waren selbst Helmstedter Studenten, eng mit Calixt befreundet und seine Schüler und Anhänger. Es war der Geist eines liberalen und toleranten Späthumanismus, der irenischen Neigungen und der Ablehunung von Religionsstreitigkeiten, den Breithaupt hier kennenlernte. Gewiß, dieser Geist machte aus einem jungen Theologiestudenten nicht notwendigerweise einen pietistischen Theologen, ließ aber einer Aufnahme pietistischer Gedanken Freiraum und leistete somit einer entsprechenden theologischen Entwicklung durchaus Vorschub. So ist es von entscheidender Bedeutung für die geistige Entwicklung Breithaupts gewesen, daß zugleich mit seinem Studienbeginn in Helmstedt im Jahre 1676 Philipp Jakob Speners ein Jahr zuvor zunächst als Vorrede zur Postille Johann Arndts, dann im Herbst 1675 als Separatdruck erschienene Pia Desideria in Helmstedt unter den Professoren und unter manchen der Studenten Aufnahme fanden.[28] Dieser eigene Geist Helmstedts und Speners Pia Desideria waren die Faktoren, die Breithaupt in die Bewegung des beginnenden Pietismus in der lutherischen Kirche mit hineinzogen. Seine Neigung zum Ideal der Gelehrsamkeit, zur Philosophie, Eloquenz und Poesie nicht aufgebend, aber relativierend, folgte Breithaupt nun mehr und mehr dem von Spener gewiesenen Weg. 

III. Konrektor in Wolfenbüttel (1679-1681)

Breithaupt verließ 1679 Helmstedt und ergriff die sich bietende Gelegenheit, seine bei Schrader gelernte, auf der aristotelischen Rhetorik beruhende Predigtlehre in der Praxis zu vervollkommnen. Er zog dafür nach Braunschweig, um den damaligen Hof- und Schloßprediger Caspar Crusius (17.4.1641-13.11.1682) zu hören, der selbst in Wittenberg, Rostock und Greifswald Theologie studiert hatte[29], und nach Wolfenbüttel zu dem Braunschweigischen Generalsuperintendenten und Wolfenbütteler Hof- und Schloßprediger Brandanus Dätrius (4.6.1607-22.11.1688).

Hier stieß Breithaupt auf zwei ganz unterschiedliche Predigtweisen, wobei er sich die des letztgenannten zu eigen machte.[30] Dätrius hatte engen Kontakt zu Breithaupts Vater gehabt und sich auch schon den älteren drei Brüdern angenommen, gehörte mithin zu den Vertrauten der Familie, und Breithaupt selbst verehrte ihn wie seinen Vater.[31] Es ist daher notwendig, den Spuren Dätrius' ein Stück weit zu folgen.[32]

In Hamburg 1607 geboren und aus einfachen Verhältnissen stammend, zog Dätrius im Jahre 1630 auf die Universität Helmstedt, wo er im Hause Georg Calixts lebte und zu dessen Lieblingsschülern zählte. Als der bekannte Hugo Grotius (10.4.1583-28.8.1645), reformierter Abgesandter der Königin von Schweden am Hofe des katholischen Königs von Frankreich in Paris, 1636 einen Hofprediger Augsburgischer Konfession für seine Hausbediensteten zur Ausübung ihrer evangelischen Religion suchte, berief dieser den calixtinischen Dätrius auf diese Stelle, der sich vorher noch in Helmstedt ordinieren ließ und über die Niederlande nach Frankreich reiste. "Was nun bey dieser charge sich täglich für difficultäten herfürgethan/ und mit was für prudence und moderation er seine Predigten einrichten müssen/ da er in einer Stadt und Königl. Residenz/ welche der päpstlichen Religion zugethan/ lebete/ und der Ambassadeur [Abgesandte; sc. Grotius] auch anderer Religion war/ ist leicht zu erachten."[33] Dätrius war ein Theologe, der - die Ideen Calixts und Arndts in sich vereinend - ein gemäßigtes Luthertum vertrat. Die Anstellung bei Grotius gibt ein anschauliches Bild seines konfessionellen Fingerspitzengefühls. Ohne sein Bekenntnis nur im geringsten zu verleugnen, richtete Dätrius dennoch seine Predigten auf eine kluge und moderate Art ein, von der sich Breithaupt stark beeindruckt zeigte. Im Jahre 1646 berief der Rat der Stadt Braunschweig Dätrius zum Generalsuperintendenten anstelle von Jakob Weller, der Oberhofprediger in Dresden wurde und als Anhänger strenger Orthodoxie zu betrachten ist. Mit Dätrius drang in der Folgezeit in den Braunschweigischen Landen ein mildes und maßvolles, zum praktisch-lebendigen Christentum neigendes Luthertum zur Blüte.[34] Doch machte ihn gleichzeitig seine Hochachtung eines streng organisierten landesherrlichen Kirchenregiments in Braunschweig suspekt. Die Stadt Braunschweig hatte ein tiefsitzendes Mißtrauen gegen den Wolfenbütteler Hof. Denn als nach dem Westfälischen Frieden die Macht der Fürsten wuchs (Einschränkung der Rechte der Landstände, Übersiedlung des Adels von den zerstörten Rittersitzen an die Höfe, Einführung stehender Heere), fürchteten auch die freien Reichsstädte um ihre selbständige Stellung. So erhielt Dätrius nicht zufällig 1657 einen Ruf des Herzogs August von Braunschweig-Lüneburg an seinen Hof als Nachfolger von Joachim Lütkemann. Aber erst als die Vokation 1662 zum zweitenmal erfolgte, nahm Dätrius den Ruf an. Im Gleichen Jahr wurde ihm zusätzlich die Würde des Abtes des Klosters von Riddagshausen übertragen. Wegen Krankheit seit 1684 von seinen Kirchenämtern freigestellt, starb Dätrius vier Jahre später in Wolfenbüttel. Johannes Beste nennt ihn einen "Vorläufer Speners und des Pietismus".[35]

Eben Däetrius' Einfluß ist es höchstwahrscheinlich zuzuschreiben, daß Breithaupt 1680 eine Vokation zum Konrektor an die Fürstliche Schule in Wolfenbüttel erhielt und diesem auch folgte. Nachdem er am 30. Juni 1680 die Verpflichtungserklärung auf das Corpus Doctrinae, die Kirchenordnung des Herzogs Julius von 1569 unterzeichnet hatte, wurde Breithaupt am 20. Juli 1680 in sein neues Amt eingeführt.[36] Vorbeireitet durch den Herzog August, der die pietistische Frömmigkeit pflegte und Joachim Lütkemann zum Hofprediger in Wolfenbüttel designierte, gelangte unter dem Herzog Rudolph August von Wolfenbüttel (1666-1704), einem Anhänger Speners, in Wolfenbüttel der Pietismus zur Blüte, als dessen erster Vertreter dort Joachim Justus Breithaupt gelten kann.[37] 

Als Lehrer der Fürstlichen Schule hatte Breithaupt die alten Sprachen und die antiken Philosophen zu behandeln, mithin seine Schüler direkt auf das universitäre Studium vorzubereiten. Er legte aber stets Wert darauf, in seinen Unterricht immer christlich-erbauliche Abhandlungen mit einfließen zu lassen und mit dem eigentlichen Gegenstand seines Unterrichts zu verbinden.[38] Doch hat Breithaupt darüberhinaus auch gepredigt und Gottesdienste gehalten. Sein Vorschlag der Prüfung seiner Schüler, bevor sie zum Abendmahl gingen, wurde ausgesprochen positiv aufgenommen.[39] Die Wirkung der Spenerschen Pia Desideria auf Breithaupt wird deutlich in der Einrichtung eines Collegium pietatis gleich in seinem ersten öffentlichen Amt. Es bildete sich nämlich aus denen, die bei ihm zur Prüfung erschienen. Von Breithaupts Schülern kamen einige, vielleicht alle, sonntagsabends nach dem Gottesdienst im seinem Hause freiwillig zusammen, um sich durch Wort und Gebet zu erbauen. Neben der Bibel, dem Katechismus und einem Kompendium wurden Erbauungsbücher wie Johann Arndts Vier Bücher vom Wahren Christentum und Joachim Lütkemanns Vorgeschmack Göttlicher Güte gelesen. Nach einer abschließenden Andacht wurden Einzelne, bei denen man es nötig fand, besonders ermahnt.[40]

Breithaupts Arbeit wurde jäh unterbrochen, als 1681 von Halberstadt aus die Pest sich Wolfenbüttel näherte. Die Bürgerschaft geriet in Aufruhr. Viele verließen die Stadt. Einige öffentliche Gebäude wurden geschlossen, Krankenhäuser eingerichtet. Auch die Fürstliche Schule mußte ihre Pforten schließen, Breithaupt mithin wegen fehlender Schüler sein Amt niederlegen. [41]

Der Wolfenbütteler Konrektor spürte aber auch ein Verlangen, seine theologischen Studien auf mehreren Universitäten fortzusetzen. Nur ungern hat er Wolfenbüttel verlassen, und nur ungern ließ ihn der Herzog Rudolph August ziehen, der Breithaupts lateinische Poesie liebte und an dessen Predigten, die er sonntags einige Male gehört hatte, Gefallen gefunden hatte. Im September 1681 hielt Breithaupt seine Abschiedsrede, in der er noch einmal eindringlich eine fromm-erbauliche Erziehung bereits in den Schulen als notwendig vorstellte und forderte. Die Schulen müssen Werkstätten der Lehre und der Frömmigkeit werden. Was nütze es, die Schüler "... emittere eruditos, si nullum hi sensum pietatis ceperint ...". Diesenfalls nämlich seien die Schulen keine "seminaria Ecclesiae, sed antra leonum." Breithaupt will also die Mißstände im Predigerstand bereits tief an der Wurzel, in der voruniversitären Ausbildung angehender Theologen angreifen und beheben.[42]

Mit Breithaupt begann eine Blüte des Pietismus in Wolfenbüttel. Auch seine Nachfolger Konrad Blanckenburg, später Speners Nachfolger in Berlin, Justus Lüders (seit 1689), Barthold Meyer (seit 1688 Generalsuperintendent) und Heinrich Georg Neuß (seit 1690 Diakon) wirkten in diesem Sinne weiter. Die Amtsenthebung Petersens 1694 aber wirkte sich auch in Wolfenbüttel aus und führte schließlich zur Unterdrückung des Pietismus, woran freilich die Theologen Helmstedts nicht unwesentlich beteiligt waren.[43] 

IV. Studium in Kiel (1681-1683)

1. Die Universität 

Welche Gründe es waren, die Breithaupt gerade auf die Universität Kiel führten, kann nur vermutet werden. Gewiß war es die Anziehungskraft Kortholts. Eine Rolle hat wohl auch gespielt, daß ein ihm bis dahin unbekannter Theologiestudent aus Helmstedt ihn bat, mit ihm in seine Heimat zu ziehen. Der Student hatte Anweisung von seinen Eltern, bei herannahender Pest nach Hause zurückzukehren und einen Kandidaten der Theologie mitzubringen. Die Helmstedter Theologen empfahlen Breithaupt, der darin einen weiteren göttlichen Wink zu erkennen glaubte.[44]

Fest steht, daß der Wolfenbütteler Konrektor im September 1681 nach Kiel aufgebrochen ist. Breithaupt ist aber nicht direkt dorthin gereist, sondern hat bei Johann Wilhelm Petersen und dessen Frau Johanna Eleonora geb. von Merlau in Eutin Station gemacht, sich einige Zeit in deren Haus aufgehalten und die Petersens mit seiner redlichen Frömmigkeit und seinem lieben Gemüt beeindruckt und erfreut.[45] Das Ehepaar Petersen wie auch Breithaupt waren zu dieser Zeit noch je für sich ganz in den Anfängen einer sich entfaltenden pietistischen Frömmigkeit. Wie der Kontakt entstanden ist, wissen wir nicht. Doch wird Petersen in der Folgezeiteine eine wichtige Rolle im akademischen Aufstieg Breithaupts spielen.

Am 14. Oktober 1681 immatrikuliert sich Breithaupt an der Universität Kiel. [46] Die junge Universität wurde 1665 gegründet und bestand zu diesem Zeitpunkt kaum mehr als fünfzehn Jahre. Initiiert durch den um Bildung bemühten Herzog Friedrich III., oblag die Gründung selbst seinem Sohn Christian Albrecht (3.2.1641-6.1.1695), der der Universität auch ihren Namen gab. Dieser hatte sich die Helmstedter Universität zum Vorbild genommen. Wichtigster Berater bei Einrichtung der Akademie wurde der Calixt-Schüler Samuel Rachel (6.4.1628-13.12.1691), der dann auch als Profesor in die juristische Fakultät eintrat. Professor Primarius in der theologischen Fakultät wurde der zuvor in Helmstedt lehrende Peter Musäus (7.2.1620-20.12.1674), der als Student im Hause Calixts lebte.[47]

Dem herzoglichen Hause ging es darum, keine offenkundigen Streittheologen nach Kiel zu berufen. Die Statuten der theologischen Fakultät forderten daher auch von ihren Angehörigen "animi moderatio et pacis studium."[48] Die Fakultät war geprägt vom "Geist einer friedfertigen, allen theologischen Gezänkes und dogmatischen Streitigkeiten abholden, aber auf die Beförderung echter Frömmigkeit bedachten 'lebendigen' Orthodoxie,...".[49] Breithaupt räumte später im Rückblick ein, daß er auf keiner anderen Universität mit größerem Nutzen hätte studieren können. [50]

2. Die Lehrer

2.1. Christian Kortholt

Christian Kortholt (15.1.1633-1.4.1694), geboren in Burg auf der Insel Fehmarn, besuchte zunächst die heimatliche Stadtschule, seit dem Herbst 1648 die Domschule in Schleswig und schließlich im Jahre 1650 das Gymnasium in Stettin. Im Mai 1652 immatrikulierte er sich an der Universität Rostock, dem damaligen Hauptsitz der Reformbewegungen in der lutherischen Kirche. Als Kortholt in Rostock sein Studium begann, standen Johann Georg Dorsche und Johann Quistorp d.J. als Professoren in der theologischen Fakultät, Theophil Großgebauer, mit seiner 'Wächterstimme' zu den bedeutendsten Reformtheologen des 17. Jahrhunderts zählend, wirkte als Prediger in Rostock. Kortholt studierte Metaphysik, Logik, Hebräisch und Theologie.[51] Nachdem er im Jahre 1656 den Magistergrad erhalten hatte, beschaffte ihm der Lübecker Jurist David Gloxin, mit Kortholt seit frühester Zeit bekannt, das berühmte Schabbelstipendium. Kortholt zog nun nach Jena, wo sich auch die übrigen Stipendiaten aufhielten, und fand dort Aufnahme im Hause des Theologieprofessors Johann Musäus (1613-1681). Auf Grund von Tumulten unter der Jenaer Studentenschaft wurden 1660 die Stipendiaten aus Jena abberufen. Kortholt kehrte über Leipzig und Wittenberg nach Rostock zurück. Im Jahre 1663 folgte er dort einem Ruf als Professor für griechische Sprache, und im Februar 1664 trat er in die Theologische Fakultät ein, nachdem er im Herbst des vorangegangenen Jahres zum Doktor der Theologie promoviert wurde. Durch seine Veröffentlichungen und Lehrtätigkeit bekannt geworden, erfolgte ein Ruf des Herzogs Christian Albrecht von Holstein-Gottorp auf die zweite Professur in der Theologischen Fakultät der neugegründeten Universität Kiel. Im Oktober 1665 begann Kortholt dort seine Vorlesungstätigkeit mit einer Veranstaltung über papistische Polemik.[52] 

Nach diesem biographischen Abriß möchte ich nun der Frage nachgehen, wie die Gestalt Kortholts theologisch in die Phänomene Orthodoxie und Pietismus einzuordnen ist.

In der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts stößt die Ansicht von Walter Bülck, Christian Kortholt sei "ein warmherziger Vertreter der pietistischen Reformbewegung" gewesen[53] bei Wilhelm Halfmann auf Widerspruch, der zu dem Ergebnis kommt, Kortholt sei "kein Pietist", "sondern Orthodoxer" gewesen.[54] Erhard Peschke kommt zu einem differenzierteren Bild.[55] Zunächst der pietistischen Bewegung zuneigend, hatte Kortholt namentlich zu Spener ein freundschaftliches Verhältnis, stand mit ihm in brieflichem Kontakt und gehörte zu den vier Gutachtern, als Spener den Ruf auf die Stelle des Oberhofpredigers nach Dresden erhielt. Nachdem Spener 1675 seine 'Pia Desideria' veröffentlicht hatte, schlug sich Kortholt auch literarisch auf Speners Seite mit seinem anonym veröffentlichten "Wohlgemeinten Vorschlag" (1676). Erst "gegen Ende seines Lebens" werde deutlich, daß er sich "allgemein vom Pietismus" abgegrenzt habe. Die Gründe liegen in seinen Erfahrungen mit dem Chiliasmus Petersens und mit den Hamburger pietistischen Streitigkeiten um Johann Heinrich Horb (1645-1695) und Johann Winckler (1642-1705). Von den chiliastischen Hoffnungen der Petersens habe sich Kortholt deutlich distanziert, bei den Horbschen Streitigkeiten sich streng auf seine Rechtgläubigkeit berufen. Erst in späterer Zeit habe Kortholt dem Pietismus nach und nach den Rücken gekehrt. An Kortholt zeige sich aber auch, "daß die vorpietistische Orthodoxie nicht mit der durch ihren Kampf gegen den Pietismus verhärteten Spätortodoxie gleichgesetzt werden darf."[56] Diese Sicht Peschkes hat sich in der Kirchengeschichtsschreibung in der Folgezeit durchgesetzt. Ich möchte nun, um das Bild Kortholts zu vervollständigen, seine Theologie anhand wichtiger Themen skizzieren.[57] Wenn Kortholt die erheblichen Mängel in der lutherischen Kirche darlegt, so folgt er dem in der Reformliteratur des 17. Jahrhunderts beheimateten Verfallsidee. Dem vorbildlichen urchristlichen Gottesdienst wird der Verfall in der Gegenwart gegenübergestellt. Beim Sündenbegriff unterscheidet Kortholt die Erbsünde und die Sünde, durch die Gottes Gebote wissentlich übertreten werden. Vor letzterem könne sich der Mensch durch einen christlichen Lebenswandel verwahren. Ein weiterer wichtiger Aspekt in Kortholts Theologie ist die Kritik an der "Veräußerlichung des kirchlichen Lebens", auch und besonders im Bereich der Kirchenzucht, besonders bei der Zulassung Unwürdiger zum Abendmahl. Bei der Forderung nach Sonntagsheiligung zeigt sich Kortholt ganz im Rahmen orthodoxer Reformliteratur. Darüberhinaus drängte er auf ernste und strengere Durchführung des Theologiestudiums. Selbst Studenten mit nur geringer Begabung und solche, die sich dem rein weltlichen Leben hingäben, drängten ins Predigtamt. Den Grund darin sieht Kortholt in fehlender und schlechter christlicher Erziehung bereits in den Schulen. Der Katechismusunterricht, der diesem Mißstand Abhilfe verschaffen könnte, liege gänzlich darnieder. Die Einführung der Katerchismuslehre sei dringend erforderlich. Zur rechten Lehre gehöre auch immer ein gottseliger Lebenswandel. Der Aneignung der christlichen Heilsgüter müsse eine herzliche, innerliche Bekehrung vorangehen, wobei eine regelmäßige Gewissensprüfung notwendig sei. Es handelt sich hierbei um Anliegen, wie sie auch in der Folgezeit für den Pietismus im allgemeinen und für Breithaupt in seinen kirchlichen Ämtern von Bedeutung wurden. Breithaupt wurde in seiner Kieler Studienzeit, namentlich durch den engen und persönlichen Kontakt zu Kortholt, für diese Themen zusätzlich sensibilisiert. 

Die Kieler Theologische Fakultät bestand zur Gründungszeit aus drei ordentlichen Professoren. Professor Primarius war Peter Musäus (7.2.1620- 20.12.1674), ein Helmstedter Theologe, der irenischen Strömungen nahestand. Kortholt selbst lehrte als zweiter Professor, der dritte war Paul Sperling (9.11.1605-27.4.1679). Der Profesor Primarius war für die Dogmatik, der zweite für die Polemik und der dritte für die Kirchengeschichte und Homiletik zuständig.[58] "Musäus und Kortholt waren die führenden Gestalten der friedliebenden gelehrten Arbeit und der Pflege eines praktisch ausgerichteten Christentums."[59] Nachdem Musäus gestorben war, wurde Kortholt 1675 Professor Primarius. Da Sperling fast gleichzeitig wegen seines kränklichen Wesens seine Lehrtätigkeit einstellte, lag die theologische Lehre in Kiel hauptsächlich auf den Schultern Kortholts. Im Jahre 1680 wurde ihm zudem der Lehrstuhl der Kirchklichen Altertümer übertragen.[60]

Breithaupt war vom Wintersemester 1681/82 bis zum Sommersemester 1683 zum Theologiestudium in Kiel. Kortholt las in dieser Zeit öffentlich über die einzelnen Artikel der Cofessio Augustana, über die Apologie und die Schmalkaldischen Artikel, sukzessive die Kirchengeschichte der ersten acht Jahrhunderte und behandelte in knappen Thesen die "Theologiam Theticam et Moralem."[61] Kortholt nahm in dieser Zeit Breithaupt in sein Haus auf, wo er zum ersten Mal August Hermann Francke kennenlernte, der seit 1679 in Kiel studierte und ebenfalls im Hause Kortholts Aufnahme und eine mensa fand.[62] Der Professor Primarius nahm den jungen Breithaupt gleich unter seine Fittiche, stellte ihm seine gesamte Bibliothek zur Verfügung und nahm ihn an wie seinen eigenen Sohn. Breithaupt selbst sah in Kortholt das Abbild des alten Luther.[63] In Breithaupts Kieler Studienjahren beschäftigte sich Kortholt zudem mit der Polemik gegen die Papisten. So kam es, daß Breithaupt unter ihm "de Processu disputandi Papistico" disputierte.[64] Die Fakultät erlaubte Breithaupt, selbst private akademische Collegia zu halten. [65] Schließlich drängte es Breithaupt dazu, sich eingehend mit der sonst verachteten Kasualtheologie zu beschäftigen. Dabei ging es vornehmlich darum, bei komplizierten kirchenrechtlichen Fällen in der konkreten pfarramtlichen Praxis Entscheidungshilfen an die Hand zu bekommen. Es gelang Breithaupt, seinen Lehrer von der Importanz dieses Gebietes zu überzeugen, so daß Kortholt andere Arbeiten zurückstellte und eingehend die Kasuallehre behandelte, die Breithaupt nun gründlich und mit großem Gewinn für seine späteren Kirchenämter studierte, wobei er selbst für die Beschaffung der Literatur zuständig war.[66]

Es ist bis hierhin deutlich geworden und wird in der folgenden Darstellung noch unterstrichen werden können, welch bedeutenden Einfluß Kortholt auf Breithaupt ausgeübt hat. War es in Helmstedt noch der Geist einer gesamten Fakultät, ja einer gesamten Universität - der Geist des Georg Calixt und seiner Anhänger und Schüler -, von dem Breithaupt grundsätzlich geprägt worden ist, so konzentriert sich in seiner Kieler Studienzeit alles auf die Person Kortholts, seine Frömmigkeit und seine theologische Grundhaltung.

So mußte fast notwendigerweise Breithaupts Weg zu Spener führen. Aber zuvor betrachte ich noch die anderen, von ihm verehrten Lehrer in Kiel. 

2.2. Matthias Wasmuth, Christoph Franck, Daniel Georg Morhof

Breithaupt rechnete ausdrücklich in Kiel neben Kortholt auch Wasmuth, Franck und Morhof zu seinen Lehrern.[67]

Matthias Wasmuth (29.6.1625-18.11.1688) studierte in Wittenberg (bei Calov und Meisner), Leipzig, Straßburg und Basel. Nachdem er 1651 in Wittenberg den Magistergrad erlangt hatte, unternahm er Bildungsreisen in die Niederlande und in die Schweiz. Er war ein großer Anhänger von Buxtorf, den er bei verschiedenen Angriffen, besonders von Conring, der die Integrität des hebräischen Grundtextes des Alten Testaments bestritt, mit Feuereifer verteidigte. Zunächst 1657 Professor der Logik in Rostock, trat Wasmuth 1665 in die Philosophische Fakultät in Kiel ein, wo er bis 1679 Professor für orientalische Sprachen war. Nachdem er 1666 zum Doktor der Theologie promoviert worden war, erhielt er im Jahre 1672 eine außerordentliche und 1675 eine ordentliche Professur in der Theologischen Fakultät. Dort lehrte er die alttestamentliche Exegese. Während Breithaupts Studienzeit thematisierte Wasmuth in seinen öffentlichen Vorlesungen ausschließlich die Psalmen.[68]

Christoph Franck (26.10.1642-11.2.1704), in Rinteln Schüler des Peter Musäus und in Helmstedt des jüngeren Calixt, war von 1665 bis 1674 Professor für Logik und Metaphysik in der Philosophischen Fakultät Kiel. Wie Wasmuth 1666 zum Doktor der Theologie promoviert, wurde Franck 1672 außerordentlicher und 1674 ordentlicher Professor in der Theologischen Fakultät und lehrte neutestamentliche Exegese. Zur Zeit von Breithaupts Aufenthalt in Kiel hat er sich aber in öffentlichen Vorlesungen fast ausschließlich mit der Kontroverstheologie beschäftigt, namentlich mit den Streitigkeiten zwischen Lutheranern und Reformierten. Hinzu kommt ein Privatkolleg über die Art der Theologie des Martin Chemnitz.[69]

Daniel Georg Morhof (6.2.1639-30.7.1691) war als Polyhistor, Jurist, Rhetoriker, Historiker und Dichter einer der bekanntesten Gelehrten seiner Zeit. Er besuchte 1655 das Gymnasium in Stettin, bevor er sich 1657 in Rostock zum Studium der Rechtswissenschaft immatrikulierte. Im Jahre 1661 promovierte er zum Doktor des Rechts und wurde 1665 Professor für Eloquenz und Poesie an der Universität in Kiel. Seit 1673 hatte er zusätzlich den Lehrstuhl für Geschichte inne. Die Vermutung läge nahe, daß Breithaupt seiner Neigung für Eloquenz und Poesie entsprechend eine starke Affinität zu Morhof gehabt haben müßte. Doch kam Breithaupt mit dem Ziel an die Universität Kiel, seine theologischen Studien fortzusetzen. So neigte sich denn auch hier unter dem Einfluß Kortholts die Waagschale allmählich, aber deutlich zur Theologie hin. Morhof mag dies erstaunt zur Kenntnis genommen haben, hatte aber schließlich Verständnis für Breithaupt.[70 

V. Breithaupts Reise zu Philipp Jakob Spener nach Frankfurt am Main (1683-1684)

Zum Wintersemester 1683/84 war Breithaupt nicht mehr in Kiel. Er hatte beschlossen, eine längere Studienreise anzutreten. Über Frankfurt am Main, wo er Spener besuchen wollte, plante er weiter zu Sebastian Schmidt nach Straßburg zu ziehen. Von dort aus wollte er weitere Reisen unternehmen. [71] 

Breithaupt zog zunächst von Kiel aus in seine Heimatstadt Northeim, um seine Mutter und die übrigen Verwandten zu besuchen. Kurz hielt er sich in Göttingen auf, um in einer unangenehmen Geldangelegenheit, in der Kortholt vermittelte, seine Hilfe anzubieten. Am 30. Oktober 1683 besteigt Breithaupt die Kutsche nach Frankfurt.[72] In den ersten Novembertagen dürfte er bei Spener angekommen sein. Sein Aufenthalt in Frankfurt, ursprünglich nur als Zwischenstation auf der Durchreise nach Straßburg geplant, dauerte dann aber doch länger. Philipp Jakob Spener, den Breithaupt mit dem Apostel Paulus vergleicht, und dessen Frankfurter Amtsbruder Johann Christoph Holtzhausen (19.12.1640-1695), Prediger an der Barfüßerkirche, haben Breithaupt zutiefst beeindruckt, so daß er beschloß, länger als geplant in Frankfurt zu verweilen.[73]

Zur gleichen Zeit hielt sich auch der bekannte spätere schwedische Theologe Nikolaus Bergius (gest. nach 1709)[74] in Frankfurt auf, der sich ebenfalls auf einer Studienreise befand. Breithaupt und Bergius wurden schnell miteinander bekannt. Es entwickelte sich ein freundschaftliches Verhältnis zwischen beiden. Bergius selbst hat über seine Reiseerlebnisse, Bekanntschaften und Gespräche akribisch Tagebuch geführt, so daß wir einiges über Breithaupts Pläne und Gedanken aus der Zeit seines Frankfurter Aufenthaltes erfahren.

Breithaupt wird im Bergschen Tagebuch zum ersten Mal unter dem 3. Dezember 1683 erwähnt. Er wohne in Speners Haus. Christian Kortholt habe dessen Besuch in einem Brief an Spener angekündigt und Breithaupts Gelehrsamkeit gelobt. Es handelt sich also eindeutig um den ersten Kontakt zwischen Spener und Breithaupt. Bei Kortholt in Kiel habe er sich mit der Polemik beschäftigt, bei Wasmuth Exegese gelernt und bei Franck sich in der Scholastik geübt.[75] Bergius und Breithaupt trafen sich des öfteren zu längeren Gesprächen. Dabei klagten sie u.a. über die kalte Andacht in der lutherischen Kirche ("de frigida nostralium devotione"), über die Schwierigkeiten in der Führung des Predigtamts, namentlich daß an den Höfen so viele Unwürdige zum Abendmahl zugelassen werden.[76] In Bergs Eintragungen vom 28.12.1683 erfahren wir näheres über Breithaupts weitere Pläne. Breithaupt strebe eine akademische Professur an, möglichst in Kiel. Ein Lübecker Jurist habe ihm Hoffnung auf ein Stipendium gemacht, damit Breithaupt den Doktorgrad erlangen könne. Hier handelt es sich offensichtlich um den Lübecker Juristen Friedrich Johann Gloxin (11.5.1635- 7.7.1684)[77], der Breithaupt das bekannte Schabbelstipendium vermitteln wollte. Man wird kaum fehl gehen in der Annahme, daß die Bestrebungen auf die Initiative Kortholts zurückzuführen sind, der mit den Gloxins seit langem bekannt war und selbst seinerzeit zu den Schabbelstipendiaten zählte. Breithaupt habe, so heißt es weiter, darum Kiel verlassen und sei persönlich nach Lübeck gereist. Sein Ziel sei es gewesen, in Kiel die venia legendi zu erhalten. Doch habe es bei der Vergabe des Stipendiums Schwierigkeiten gegeben, weil die Zahl der Stipendiaten verringert werden sollte. Außerdem beabsichtige Breithaupt, zu Sebastian Schmidt nach Straßburg zu reisen.[78] Daß es bei der Vergabe des Stipendiums bereits vor seiner Abreise nach Frankfurt zu Schwierigkeiten gekommen war, deutet Breithaupt in einem Brief an Kortholt an. Doch habe ihn dies nicht von der geplanten Reise abgehalten.[79] Über den weiteren Verlauf der Verhandlungen in dieser Angelegenheit sind wir nicht unterrichtet. Doch ist Breithaupt niemals Schabbelstipendiat geworden.

Am 29. Dezember 1683 schrieb Breithaupt aus Frankfurt an Kortholt und berichtete von seiner wohlbehaltenen Ankunft. Ganze zwei Monate habe er jetzt für seine eigenen Studien verbracht. Er äußerte sich positiv über Speners Frankfurter Amtsbrüder, an deren Zusammenkünften unter der Führung des Seniors er auch teilnehmen durfte.[80] Besonders beeindruckt hat ihn Speners Katechismusunterricht.[81] Gewiß hat Breithaupt auch an Speners Frankfurter Collegium pietatis teilgenommen[82], das der Frankfurter Senior zweimal in der Woche abhielt, wobei montags die tags zuvor gehaltene Predigt wiederholt und mittwochs die Bibel gelesen wurde. [83] Ein Jahr zuvor (1682) hatte Spener sein Collegium aus seinem Hause in die Barfüßerkirche verlegt,[84] wodurch es den Charakter einer reinen privaten Erbauungsversammlung verloren hatte. Breithaupt hat dies alles sehr genau zur Kenntnis genommen. Er plante, Frankfurt nicht vor dem Osterfest 1684 zu verlassen, wünschte sich aber sehr eine neues Amt.[85] Auch Spener und Holtzhausen rieten ihm von weiteren Reiseunternehmungen ab. Breithaupt solle vielmehr ein Predigtamt anstreben oder versuchen, eine Universitätsprofessur zu bekommen.[86] 

Am 3. Januar 1684 trafen sich Berg und Breithaupt wiederum zu einem Gespräch zur aktuellen politischen Lage. Breithaupt zeigte seinem Freunde seinen Brief an Kortholt. Sie erörterten die Ethik Spinozas und besprachen die Methodik, die Lateinische Sprache zu lehren.[87] Für seine geplante Weiterreise nach Straßburg am Osterfest habe Breithaupt bei Spener um ein Empfehlungsschreiben gebeten. Mitte Januar wurde Breithaupt unvermutet für eine Anstellung in Düsseldorf ins Gespräch gebracht.[88]

Darüberhinaus beschäftigten sich die beiden mit der Lehrart des Hebraisten Edzard aus Hamburg, sprachen über das Studium der Griechischen Sprache und über Sinn und Zweck des Zölibats. Breithaupt äußerte den Wunsch, nach dem Vorbild des Apostels Paulus unverheiratet zu bleiben, weil mit bevorstehenden Verfolgungen zu rechnen sei.[89]

Am 21. Januar 1684 wurde Breithaupt in Aussicht gestellt, in Kiel zum Lizentiaten zu promovieren. Diese Option ist schließlich konkreter geworden, denn am 1. Februar hielt Breithaupt einen Brief Kortholts in den Händen, in dem dieser ihn um Rückkehr nach Kiel bat, da sich eine mögliche Anstellung ergeben hätte. Kortholt reichte ihm zugleich fünfzig Taler für die Reisekosten. Breithaupt hat umgehend Vorbereitung getroffen, nach Holstein zurückzukehren.[90] Am 8. Februar kam es nochmal zu einem längeren Gespräch zwischen Berg und Breithaupt über die Angriffe Calovs gegen die Helmstedter.[91] Am 14. Februar 1684 endlich notierte Berg in seinem Tagebuch: "Abiit Kilonium Breithaupt." Er rühmte Breithaupts Freundschaft und schilderte den herzlichen Abschied aus Frankfurt, bei dem auch Spener selbst zugegen war.[92] Zur geplanten Reise nach Straßburg ist es nie gekommen. Bei seiner Rückreise nach Holstein, auf der er auch die Universitäten in Gießen und Marburg besuchte, schwebte Breithaupt aus unbekannten Gründen in Lebensgefahr, erreichte aber doch wohlbehalten Kiel.[93] 

VI. Professor für Homiletik in Kiel (1684-1685)

1. Der Amtsantritt

Mitte Februar also befand sich Breithaupt auf dem Weg von Frankfurt nach Kiel. Zu einem sofortigen Antritt eines kirchlichen oder universitären Amts kam es aber nicht. Es ist aber deutlich, daß Breithaupt auf Anregung Kortholts in Kiel gern Professor für Homiletik geworden wäre. Nun hatte sich Breithaupt wie erwähnt im Jahre 1681 bei den Petersens in Eutin aufgehalten und dort in der Schloßkirche mehrmals in Anwesenheit des Herzogs August Friedrich von Holstein-Gottorp (6.5.1646-7./8.10.1705) gepredigt. Der Herzog hat Breithaupts Predigten mit großer Freude und Erbauung gehört. Am 30. Juni 1684 schrieb der Herzog aus seiner Residenz in Eutin an seinen Bruder, den Herzog Christian Albrecht von Holstein-Gottorp (3.2.1641-6.1.1695), nach Hamburg und empfahl Breithaupt für die Stelle des ordentlichen Professors für Homiletik in Kiel.[94] Es war Johann Wilhelm Petersen, der Eutiner Superintendent, der das herzogliche Empfehlungsschreiben persönlich überbracht hat. Die Empfehlung Breithaupts durch den Herzog ist der Initiative Petersens zuzuschreiben.[95] Nicht auszuschließen ist freilich, daß Breithaupt auf der Rückreise von Frankfurt nach Kiel nochmals bei Petersen Halt gemacht und in Eutin gepredigt hat. Doch wird ein zweiter Besuch Breithaupts von Petersen in seiner Lebensbeschreibung nicht ausdrücklich erwähnt.

Am 4. Juli 1684 antwortet der Herzog Christian Albrecht. Er habe das Empfehlungsschreiben durch den Eutiner Superintendenten erhalten. Doch seien die Stellen der drei ordentlichen Professuren der Theologischen Fakultät besetzt, so daß eine Anstellung Breithaupts zur Zeit nicht in Frage kommen könne, doch wolle er bei zukünftiger Vakanz gern auf Breithaupt zurückgreifen.[96] Eine ordentliche Professur war also für Breithaupt im Moment nicht zu bekommen.

Doch lag der homiletische Unterricht in Kiel seit mehr als einem Dezennium brach. Nach dem frühen Ausscheiden von Paul Sperling, der als dritter Professor für die Predigtlehre zuständig gewesen war, in der ersten Hälfte der siebziger Jahre, übernahm nach dem Tode von Petrus Musäus 1674 Kortholt zusätzlich noch die Homiletik[97], die aber allmählich in die Philosophische Fakultät auszuwandern und dort zu verkümmern schien. Dort lehrte Daniel Georg Morhof neben der oratoria civilis auch die oratoria sacra. Morhof aber hatte mehr Interesse an den Redeformen, deren Erklärung er die Rhetorik des Aristoteles zugrunde legte, als an inhaltlich- hermeneutischen, für die christliche Predigt relevanten Fragen. Gewiß war auch Morhof sich über die Mängel der Predigten bewußt. In seiner 'Disputatio de eloquentia in tacendo' (1684) rückte er die Einfachheit und Prägnanz der Sprache der Bibel als vorbildlich in den Vordergrund gegenüber der barocken Überfrachtung der Predigten, sah aber aufs Ganze gesehen keinen prinzipiellen Unterschied zwischen Redekunst im allgemeinen und christlicher Predigt im besonderen. Immerhin versuchte Wasmuth in seinen Lehrveranstaltungen die Bedeutung der Homiletik zu berücksichtigen.[98]

Um dem Mißstand in der Homiletik Abhilfe zu schaffen, wurde in der Philosophischen Fakultät der Universität Kiel zum Wintersemester 1684/85 eine außerordentliche Professur der Homiletik eingerichtet und mit Breithaupt besetzt.[99] Merkwürdig ist die Einrichtung dieser Professur jedenfalls. Denn sie kommt gerade zu der Zeit, als Breithaupt eine Homiletikprofessur anstrebte. Es dürfte dem Betreiben Kortholts zuzuschreiben sein, daß diese Stelle zur Förderung der homiletischen Lehre und zur Entlastung seiner selbst nach der zunächst ergangenen Absage des Herzogs doch noch geschaffen und sogleich mit seinem Schüler besetzt wurde. Daß Breithaupt gerade Homiletik lehren wollte, ist zu verstehen aus seiner Affinität zur Eloquenz und aus seiner daraus resultierenden Begabung für das Predigen.

2. Lehrveranstaltungen und literarische Tätigkeit

Am 18. August 1684 trat Breithaupt in Kiel sein erstes akademisches Lehramt an.[100] Es entbehrt nicht einer gewissen Symbolik, daß drei Tage zuvor sein ältester Bruder, der ihm von Kindheit an ein theologischer Handleiter gewesen war, gestorben ist. Am 5. September hielt der neue Professor seine Antrittsvorlesung "De Homileticis Difficultatibus", die auch gedruckt wurde.[101] 

Seinen öffentlichen homiletischen Vorlesungen legte Breithaupt im Wintersemester 1684/85 Augustins Werk "De Doctrina Christiana" zugrunde, worin der Kirchenvater seine homiletischen und hermeneutischen Grundgedanken dargelgt hat. Für Breithaupt war die Homiletik in erster Linie ein hermeneutisches Problem. Die Predigten müßten wieder so gestaltet sein, daß das Volk sie versteht und daraus Erbauung schöpfen kann. Die Predigtsprache müsse daher von allem gelehrten Ballast und barocker Zierde befreit, mithin in eine allgemeinverständliche Sprache transformiert werden. Diese Intention stimmte prinzipiell mit der Augustins überein, so daß dessen Werk sich als Lehrbuch gut eignete. In einem Privatkolleg erklärte Breithaupt Johann Benedict Carpzovs d.Ä. "Hodogeticum, brevibus aphorismis olim pro collegio concionatoria conceptum et postea revisum" (1656), vermutlich in der Neuausgabe von 1675.[102] Zum Sommersemester 1685 waren seine theoretischen Grundlegungen zur Predigtlehre abgeschlossen. Breithaupt ging nun zu den praktischen Predigtübungen über. Die Hörer hatten nun selbständig in der Kirche zu predigen, wobei Breithaupt die vorgetragenen Predigten abschließend beurteilte und korrigierte. In seinem Privatkolleg konnten seine Studenten ihre Kenntnisse noch vertiefen.[103] Als Lehrbuch zu diesen Predigtübungen veröffentlichte Breithaupt 1685 seine "Institutio hermeneutico-homiletica". Das Werk ist ein Kommentar zu Augustins 'De Doctrina Christiana', wobei Breithaupt für die Homiletik relevante Auszüge zitiert und glossiert.[104] Für das Wintersemester 1685/86 kündigte er an, das bisher Behandelte "ad ... Fidei praxin" auszulegen, das heißt unter besonderer Berücksichtigung der Früchte des Glaubens, auf die die Predigt zu zielen hat.[105] Breithaupt ging es also um eine breiten Schichten verständliche Predigt, die schließlich zum lebendigen Glauben und tätigen Christentum anleiten und hinführen sollte. In diesem Sinne bildete er seine Studenden aus. Nach der theoretischen Grundlegung anhand seines Kommentars zu Augustins "De Doctrina Christiana" und nach der praktischen Einübung der gewonnenen Kenntnisse "ad usum popularem" ging es endlich darum, daß die Predigt auch im Leben, in der Praxis Wirkung zeigt.

In seinen Privatkollegien traf sich Breithaupt zudem mit den besonders begabten Studenten und nahm sich vor, die gesamte Bibel nach ihrem hermeneutisch-homiletischen Sinn zu erklären.[106]

Diese intensive Sorge Breithaupts um erbauliche, verständliche und auf Praxis gerichtete Predigten ging zurück zum einen auf Speners entsprechenden (6.) Reformvorschlag in den Pia Desideria[107], zum anderen auf den Einfluß Kortholts, der fordert, daß die Prediger "... zu solchem Behuff bey Einrichtung ihrer Sermonen ja wol in acht nehmen mögen/ was der vortreffliche Kirchen-Lehrer Augustinus so gar offt und sorgfältig erinnert/ daß nemlich in den Predigten mehr dahin zu sehen sey/ wie die Lehre der Gottseligkeit dem gemeinen Volck vernemlich und mit verständlichen Worten proponiret werde/ als daß man die Zierligkeit im Reden wolte der Deutligkeit vorziehen ...".[108]

Doch hat Breithaupt seine Planungen für das Wintersemester 1685/86 nicht mehr verwirklichen können. Bevor er wieder seine Studenten um sich versammeln konnte, erreichte ihn ein Ruf des Herzogs Bernhard von Sachsen-Meiningen (10.9.1649 - 27.4.1706) zum Hofprediger. Nachdem er zu dieser Vokation die Meinung Speners, der ihm riet, dem Ruf zu folgen, eingeholt hatte, verließ Breithaupt Kiel, wo er ein Jahr mit Kortholt zusammen gelehrt hatte. Vor seinem Abschied hielt er zur Erlangung des Lizentiatengrades eine Disputation über das Kirchliche Amt.[109] Am 20. November 1685 erhielt Breithaupt seine Dimission.[110] 

VII. Hofprediger in Meiningen (1685-1687)

Mit dem Ruf an den Hof des Herzogs Bernhard von Sachsen nach Meiningen hatte Breithaupt nicht gerechnet. Er selbst sah ja seine Bestimung, Gott und der Kirche zu dienen, im universitären Dienst. Ein kirchliches Predigtamt hat Breithaupt nie aus eigenem Antrieb erstrebt. Auch kannte der Herzog selbst Breithaupt nicht.[111] Bernhard von Meiningen war ein Sohn des Herzogs Ernst des Frommen von Sachsen-Gotha und stand der pietistischen Frömmigkeit nahe. Nach dem Herzog Rudolph August war also Bernhard der zweite dem Pietismus sich öffnende Fürst, der Breithaupt in seine Dienste rief. Verheiratet war der sächsische Herzog in zweiter Ehe mit Elisabeth Eleonore von Braunschweig-Wolfenbüttel, einer Tochter des Herzogs Anton Ulrich.[112] Sie stammte also aus dem Fürstentum, in dem Breithaupt als Theologe bereits bekannt war und Förderer besaß. Höchstwahrscheinlich kam über die Herzogin der Kontakt mit dem Meininger Hof zustande.

In Meiningen angekommen, übernahm Breithaupt das Amt des Hofpredigers und des Konsistorialrats, war zudem Beichtvater der fürstlichen Familie. [113] In Meiningen hat Breithaupt zum letzten Mal in seinem Leben ohne Angriffe orthodoxer Lutheraner wirken können. So richtete er gleich zu Beginn wieder ein Collegium pietatis ein, in welchem er im Unterschied zu seinem Wolfenbütteler Konventikel von der Lektüre der Erbauungsbücher, aber auch vom reinen Bibelstudium abrückte und statt dessen Predigtwiederholungen einrichtete.[114] Diese Umstellung dürfte auf seine Eindrücke während seines Aufenthalts bei Spener in Frankfurt zurückzuführen sein. Spener hatte wie erwähnt jeweils montags in seinem Collegium Predigtwiederholungen durchgeführt. Dagegen trug Breithaupts Collegium in Wolfenbüttel deutlicher Züge des Spenerschen Collegiums der siebziger Jahre mit der Lektüre der Erbauungsbücher und dem Bibelstudium. An der Beschäftigung mit der Bibel hat Spener freilich festgehalten, während sich Breithaupt in Meiningen gänzlich auf die Predigtrepetition stützt, die freilich nicht losgelöst vom Bibeltext verstanden werden kann. Da Breithaupt das Wolfenbütteler Konventikel wie später seine Erfurter Erbauungsversammlung in seinem Hause gehalten hat, dürfte er an dieser Praxis auch in Meiningen festgehalten haben.

Der neue Meininger Hofprediger hatte freilich solide kirchliche Verhältnisse vorgefunden. Es waren bereits tägliche Katechismusübungen eingerichtet. Breithaupt drängte zudem auf gründlich durchzuführende Kirchen- und Schulvisitationen. Besonders auf das bedeutende Gymnasium zu Schleusingen in der Grafschaft Henneberg richtete er sein Augenmerk. Eine von ihm im Jahre 1686 dort durchgeführte Visitation zog großen Nutzen und Segen nach sich.[115] Der Herzog unterstützte Breithaupts Arbeit, wo er nur konnte.

Zu einem Treffen mit Philipp Jakob Spener kam es, als der ehemalige Frankfurter Senior Ende Juni/Anfang Juli 1686 nach Dresden reiste, um sein neues Amt als Oberhofprediger am Hofe Herzogs Johann Georg III. von Sachsen in Dresden anzutreten. Als Spener auf dieser Reise mit zwei Kutschen, in denen seine Frau, fünf Söhne und zwei Töchter saßen, an Meiningen vorbeizog, kam ihm Breithaupt auf der Straße entgegen. Nach einem kurzen Gespräch stieg Breithaupt in Speners Wagen und begleitete ihn bis nach Jena, wo beide übernachteten und "plura de Ecclesiae statu" besprachen.[116]

Doch war auch Breithaupts Wirken in Meiningen nur von kurzer Dauer. Anfang 1687 erhielt er eine Vokation zum Pfarrer der Predigergemeinde, Senior des Evangelischen Ministeriums und Professor Augsburgischer Konfession nach Erfurt. Breithaupt entschloß sich nach Anfrage bei Spener, dem Ruf Folge zu leisten. In seiner Abschiedspredigt, die er am 10. April 1687 in der Meininger Stadtkirche zu St. Marien gehalten hatte, äußerte er sich noch einmal dankbar und lobend über die herzogliche Familie, seine Amtsbrüder und das gesamte Meininger Umfeld.[117] 

[1] Das Fürstentum Calenberg, vereinigt mit dem Fürstentum Göttingen seit 1513, erhielt im Jahre 1584 der Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel. Im Jahre 1635/36 erbte der Herzog Georg von Braunschweig-Lüneburg das Herzogtum Calenberg-Göttingen (Köbler, Gerhard: Historisches Lexikon der deutschen Länder. Die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. München 19924. S. 101).

[2] Vgl. LB 1725,36; Chronik der Familie Breithaupt in Biographien gesammelt von Th. Breithaupt. Teil 1. Hannover 1898. S. 50f. (Teil 2. Hannover 1903; Teil 3. Hannover 1907); Breithaupt, G.: Joachim Justus Breithaupt. In: Heimatblätter (hrg. v. d. Museumsverein für Northeim und Umgebung). Jg. 8. Nr. 2 (Februar 1932). S. 18.

[3] Vgl. LB 1725,36; Heimatblätter, 18; Chronik 1,51-53.54.

[4] Vgl. Chronik 1,50.52, und Chronik 3,53-64; Heimatblätter, 18.; LP Roth 5267.

[5] Breithaupts Schwestern waren Rosina Angelika, Katharina Elisabeth und Anna Maria; seine Brüder waren Christoph Andreas (6.3.1643-15.8.1684), Rektor der Schule in Northeim, Christian (25.3.1646-1704), Prediger in Ermsleben, und Johannes Zacharias (1649-1716), Pastor in Völksen bei Hannover (vgl. Chronik 1,54-60, und Chronik 3,54; Heimatblätter, 18-

20).
[6] LB 1725,36f.

[7] Nds. StA Wolfenbüttel, 37 Alt 2465, fol. 40; vgl. NDB 2,576 (K. Aland), und Heimatblätter, 23. Die Taufpaten waren Joachim Christoph Ruhman, Senator, Justus Böheimb, Apotheker, und die Tochter eines unbekannten bereits verstorbenen Bürgers namens Johann Ramberg (Ältestes Kirchenbuch der St. Sixti-Kirchengemeinde zu Northeim, 1658, S. 5).

[8] Vgl. Anm. 5; LB 1725,37f.: "... daß ich, von der ersten Schuhle an, biß zur Universität, unter getreuer unverrückter disciplin meiner ältern dreyen Gebrüder, zur wahren Gottesfurcht und gründlichen Wissenschaften, bin angeführet."

"Jedoch ist selbiges am längsten geschehen von dem ältesten Bruder, so wohl im Anfang, als am Ende meiner Schul=Jahre."

Sein Bruder habe ihn angehalten zu "genauer Haltung derer Stücke, die da zum öffentlichen und zum privat Gottesdienst gehören, auch zur Prüfung des Gewissens, und Excolierung aller diensahmen Studien."

[9] Vgl. Chronik 1,54f.; LB 1725,38: "... Anno 1669 als ich zu Northeim die öffentliche Schule noch frequentirete ..."

[10] Ältestes Kirchenbuch der St. Sixti-Kirchengemeinde Northeim, 1670, S. 54; vgl. Vennigerholz, G.J.: Beschreibung und Geschichte der Stadt Northeim in Hannover und ihrer nächsten Umgebung. Northeim 1894. S. 191, und Heimatblätter, 23; LB 1725,40: "War dazumahl vom Anfang des Jahres 1670 mit unter den Catechumenis ..."; Vgl. insgesamt LB 1725,38- 42. 

Die Kirchenordnung im Herzogtum Calenberg-Göttingen von 1542 entstand auf Initiative der Elisabeth von Braunschweig. Ihr Gatte, Herzog Erich I., selbst dem Katholizismus anhängend, hatte seiner Frau 1538 den Übertritt zur Reformation gestattet. Nach dem Tode des Herzogs 1540 hatte sie in der Kirchenpolitik freie Hand und beauftragte den späteren Superintendenten von Calenberg-Göttingen, Antonius Corvinus, mit der Ausarbeitung einer reformatorischen Kirchenordnung. Corvinus war seinerzeit enger Mitarbeiter des hessischen Landgrafen und Martin Bucers gewesen (Hareide, Bjarne: Die Konfirmation in der Reformationszeit. Eine Untersuchung der lutherischen Konfirmation in Deutschland 1520-1585. Göttingen 1971. S. 179f.; die Kirchenordnung ist abgedruckt bei Sehling, Emil: Die evangelischen Kirchenordnungen des 16. Jahrhunderts. Band VI/2. Leipzig 19xx. S.804ff.).

[11] Geboren in Alfeld, Pastor in Hämelschenburg, seit 1658 Prediger in Northeim, seit 1660 Senior ebenda (Vennigerholz, Northeim 1894, S. 209).

[12] Vgl. Chronik 1,55; Heimatblätter, 24. Fabricius, Anhang, S. 167, bestätigt, daß Joachim Justus Breithaupt "zu Schöningen als ein Knabe bey seinem seligen Bruder, damaligen Rectore daselbst, frequentiret." Dort kam es zur gleichen Zeit (1675) bereits durch den ältesten Bruder zum Kontakt mit dem Generalsuperintendenten des Herzogtums Magdeburg Brandanus Daetrius (ebd.).

[13] LB 1725,42: "Was die Studia der ersten Jugend betrifft, habe ich zu allen Künsten und Sprachen einen so starcken ardorem getragen; und zwar, der natürlichen inclination nach, am meisten zur Eloquentia und Poesie; daß mir schwehr worden, meinen Fleiß hierunter zu temperiren. Insonderheit bin mit vieler application geübet worden, nechst der eloquutione, in der actione oratoria: ..."

[14] LB 1725,43f.: "Ubrigens hatte in der ersten Jugend die propaedeutica linguarum und disciplinarum, auch aller Philosophiae partium, unter Anführung meiner Brüder, bereits tractiret; in Poesi aber, nebst der lectione Poetarum Graecorum, den gantzen Virgilium, und selecta carmina anderer alten und neuen Poeten, durch excerpiret in futurum usum, und zugleich guten theils Maronem auswendig gelernet: Damit auch den mit vielen Mühe gesammleten apparatum Poeticum zur Ehre GOttes, und zu meinem täglichen besten, anwenden mögte; so hatte daneben vorgenommen und bereits angefangen, die Proverbia Salomonis, nach der Grund=Sprache, in einigen Neben=Stunden, mit einer lateinischen metaphrasi heroica zu exprimiren."

[15] LB 1725,43: "Gleichwie aber Moses, da er groß ward, nicht mehr wolte ein Sohn heissen der Tochter Pharao: Hebr. XI, 24. Also ward ich, bey dem allen, aus dem Hieronymo erinnert, mich fürzusehen, daß ich ja nicht Ciceronianus oder Virgilianus mehr, als Christianus, möchte anzusehen seyn. Wozu kam, daß in der Kindheit schon, obgedachter massen [LB 1725,41f.] mit denen flagellis spiritualibus, welche noch nicht gäntzlich cessireten, gezüchtiget war. Unter solcher Zucht blieb, durch GOttes Gnade, bey mir die stete Lectio Biblica in ihrer kräfftigen Würckung; und dienete mir dabey nicht wenig der Honig süsse Gebrauch des Gnaden=reichen Thomas de KEMPIS, von der Nachfolge Christi: welchem Buche der Seel. Lutherus selbst auch viel zu dancken gehabt. Hernachmahls bin mehr und mehr gewehnet zu stärckeren Speisen, absonderlich durch des seel. Joh. ARNDTII Wahres=Christenthum, und des seel. D. LÜTKEMANNI Vorgeschmack Göttl.Güte."

[16] Vgl. Wallmann, Johannes: Helmstedter THeologie in Conrings Zeit. In: Hermann Conring (1606-1681). Beiträge zu Leben und Werk. Hg. Michael Stolleis. Berlin 1983 (Historische Forschungen 23). S. 37-39; Ders.: Zwischen Reformation und Humanismus. Eigenart und Wirkungen Helmstedter Theologie unter besonderer Berücksichtigung Georg Calixts. In: Ders.: Theologie und Frömmigkeit im Zeitalter des Barock. Gesammelte Aufsätze. Tübingen 1995. S. 65f. 

[17] Wallmann, Zwischen Reformation und Humanismus, a.a.O., S. 72. [18] Vgl. ebd., S. 72-75.

[19] Die Matrikel der Universität Helmstedt 1636-1685. Bearbeitet von Werner Hillebrand. Hildesheim 1981. 179.51.

[20] LB 1725,44: "In dieser Fassung begab mich in Academiam patriam Helmstadiensem, mit dem Jahre 1676, da das Jubilaeum Academicum gehalten werden sollte. Wiewohl schon hiebevor daselbst ein und ausgegangen war, insonderheit bey SCHRADERO und MEIBOMIO, als unvergleichlichen luminibus Eloquentiae und Poeseos; ingleichen bey den Theologis, D. TITIO, D. FRÖLINGIO, (bey welchem letzteren hernach den Tisch nahm) und denen Fratribus WIDEBURGIIS, damahligen Philosophis, und mehren Professoribus: die mich, als gute Gönner und Freunde meiner Brüder, sehr liebreich aufgenommen."

[21] Vgl. LB 1725,42.

[22] Zu Schrader vgl. ADB 32,422-425, und Wallmann, Helmstedter Theologie in Conrings Zeit, S. 40.

[23] LB 1725,42f: "Wie denn eben derselbe, in seinen wöchentlichen Exercitationibus Oratoriis, A. 76, 77 zu Helmstedt, den nachmahls sehr berühmten Herrn WERRELHOFF [Johann Werlhof, Professor der Politik in Helmstedt] mit mir conjungirte, daß wir beyde in utramque partem peroriren mußten."

[24] Zu Meibom vgl. ADB 21,187f., und NDB 16,631.
[25] Zu Fröling vgl. LP Stolberg Nr. 9565 und LP Roth Nr. 6250.

[26] Zu den Brüdern Wiedeburg vgl. Zedler 55,1758f. und 1761f.; Jöcher 4,1946f.

[27] Zu Conring vgl. TRE 8,177-179.

[28] LB 1725,45: "Hiezu kamen nun mehro die Pia Desideria Speneriana; von welchen man billig sagen mag, wie JEsus Syr.C.XLVIII,1. dieselbige Schrifft brach herfür/ wie ein Feuer/ und ihr Wort brannte/ wie eine Fackel! welcher denn obige Theologi nicht abfielen. O wie lieb und theur war es zu der Zeit manchen studiosis, daß sie auf eine reale Besserung gewiesen wurden! Indem man sehr hungrich und dürstig war, zu erkennen, wie man doch eigentlich nach den wahren Fußstapffen der Evangelischen Reformation procediren, und zu einer Evangelischen Besserung recht gelangen, und andere anleiten müßte."

[29] Vgl. Die Pastoren der Braunschweigischen evangelisch-lutherischen Landeskirche seit Einführung der Reformation. Band 1. Bearb. v. G. Seebaß u. F.-W. Freist. Braunschweig 1969. Band 2. Bearb. v. F.-W. Freist. Braunschweig 1974.

[30] LB 1725,47: " A. 1679 und 80. begegnete mir Gelegenheit zu Wolfenbüttel und Braunschweig, was in Eloquentia Sacra, ex meritissimi SCHRADERI ore, und dessen nimmer gnug gepriesenen Commentario de sensu & usu Rhetoricae Aristotelis [vgl. LB 1725,45f.], empfangen hatte, noch genauer zu prüffen, e praxi der beyden Kirchen=Oratorum, Herr D. Brandani DAETRII, Abtes und Generalissimi zu Wolfenbüttel, und Herr Casparis CRUSII, Ducalis Ecclesiastae Primarii zu Braunschweig; bevorab da diese beyde methodum diversam führeten, der letztere concisam und coloratam, der erste hingegen periodicam und ponderosam. Ich folgete aber dem exemplo Daetrii vornehmlich; und imitirte denselben, wie in anderen Stücken, also zugleich in actione so gar, daß wer D. BRANDANUM ... gehöret, dessen Arth und Weise in meinem predigen gantz eigentlich merckete." 

[31] LB 1725,47: "Eben denselben [sc. Dätrius] ehrete ich ohnedem als meinen Vater, dieweil er mit meinem leiblichen Vater vormahls vertraulich gelebet hatte/ und sich dahero meiner älteren Brüder gleichfals angenommen."

[32] Zu Dätrius vgl. LP Roth 6317; ADB 4,766f.; NDB 3,470; Rehtmeyer, Philipp Julius: Der berühmten Stadt Braunschweig Kirchen=Historie. 4. Teil. Braunschweig 1715. S. 588-593. 618-620. 632-638; Beste, Johannes: Geschichte der Braunschweigischen Landeskirche von der Reformation bis auf unsere Tage. Wolfenbüttel 1889. S. 261-266; Ders.: Abt Brandanus Dätrius und sein Einfluß auf die braunschweigische Landeskirche. In: Zeitschrift der Gesellschaft für niedersächsische Kirchengeschichte 12 (1907). S. 3-28; Die Pastoren der Braunschweigischen evangelisch- lutherischen Landeskirche seit Einführung der Reformation. Band 1. Bearb. v. G. Seebaß u. F.-W. Freist. Braunschweig 1969. Band 2. Bearb. v. F.-W. Freist. Braunschweig 1974.

[33] Rehtmeyer, Kirchen=Historie, S. 592. [34] Vgl. Beste, Dätrius, S. 2 und 6.
[35] Beste, Dätrius, S. 20.

[36] LB 1725,47f.: "Dannenhero es denn erfolgete, daß a. 1680. als das wichtige ConRectorat bey der Fürstl. Schule zu Wolfenbüttel vacant, und mir angetragen worden, sowol auff desselbigen [sc. Dätrius'], als meines ältesten Bruders Erinnerung diesem meinen ersten öffentlichen Ruffe nicht entgehen konte"; vgl. Beste, Braunschweigische Landeskirche, S. 279, und die Verpflichtungserklärung Breithaupts vom 30.6.1680 (Ev.-luth. Landeskirche zu Braunschweig, Landeskirchliches Archiv, V 379).

[37] Vgl. Wallmann, Johannes: Herzog August d.J. als Gestalt der Kirchengeschichte. In: Ders.: Frömmigkeit im Zeitalter des Barock (Gesammelte Aufsätze). Tübingen 1995. S. 24; Beste, Braunschweigische Landeskirche, S. 273, bezeichnet den Herzog Rudolph August als "Pietist auf dem Welfenthron".

[38] LB 1725,48: "Und ob ich gleich, nebst den Sprachen, die meisten Heydnischen Autores zu tractiren gehabt; so ist es mir dennoch hiemit also gelungen, daß nachhero niemahls denen beypflichten mögen, welche die Schul Aemter, wegen Tractirung der Heydnischen Schrifften, wie steril ansehen, als wobey wenig oder nichts zu erbauen wäre. Denn ich habe ipso usu befunden, daß eine Christliche Erbauung darunter sich gar wohl adhibiren lasse; theils, omittendo non necessaria; theils insonderheit, accommodando pleraque, per imitationem; theils, die Gnade GOttes anzupreisen per differentiam Paganismi und Christianismi; theils coarguendo a minori ad majus, seu minus verisimili ad magis verisimili."

[39] Vgl. LB 1725,49.

[40] LB 1725,49: "Denn, von der Zeit an kamen sie ultro und ungezwungen: und nicht weniger des Sonntages, nach dem Heil. Werck gegen den Abend, versammleten sich bey mir wiederum die der S. Coena genoß und theilhafftig worden, auf daß sie sich im neuen Vorsatz durchs Wort und Gebet erwecketen und stärcketen; Wobey man denn, nechst der Heil. Schrifft, Catechismo und Compendio, die Lesung Joh. Arndts Bücher vom wahren Christenthumb/ und dessen Pradieß=Gärtlein/ wie auch D. Lütkemanns Vorgeschmack Göttlicher Güte/ recommendiret hat, und, nach geendigter Andacht, Gelegenheit genommen, singulatim einigen, die es benöthiget, besondere Erinnerungen mitzutheilen." 

[41] Vgl. LB 1725,49f., und Beste, Braunschweigische Landeskirche, S. 279.

[42] Vgl. LB 1725,50f.; es handelt sich um Breithaupts erste gedruckte Schrift überhaupt unter dem Titel "Valedictoria de pietate seu Dei cultu in scholis necessario" (Breithaupt-Bibl. Nr. 1); Valedictoria, 1681, A4r, B1r.

[43] Vgl. Brecht, Geschichte des Pietismus 1, S. 360, und Beste, Braunschweigische Landeskirche, S. 279.

[44] Vgl. LB 1725,50.

[45] Das Leben Jo. Wilhelmi Petersen, [...] Als Zeugens der Warheit Christi und seines Reiches, nach seiner grossen Oeconomie in der Wiederbringung aller Dinge. [...], [Halle: Renger] 1717 (Autobiographie). S. 60f.: "Um die Zeit habe ich auch den lieben Herrn Dr. Breithaupt, der jetzo Abt zu Closterberg, und Professor Theologiae Primarius in Hall ist, in mein Hauß aufgenommen, als er von Wolffenbüttel kam, und einen grossen Trieb in sich empfand, seine Studien in der Theologie weiter zu prosequiren. Ob ich nun zwar je und je einen Schulmann, wenn er darzu tüchtig ist, hochgehalten, und deswegen nicht eben gern gesehen, daß er solcherley Stelle quittiret, so habe ich doch ex eventu erfahren, daß solcher Trieb nicht ohne GOtt gewesen, der ihn zu was höhers hat gebrauchen wollen, und in vielen Seegen, sowohl in Meynungen, als Erfurt und zu Hall, und im Closterberg bißher gewesen. Ich und meine Liebste haben ihn wegen seiner Aufrichtigkeit und Liebe zu GOtt je und je geliebet, und auch offtmahls mit ihm ergötzet,..."; vgl. Matthias, Markus: Johann Wilhelm und Johanna Eleonora Petersen. Göttingen 1993 (AGP 30). S. 130f.

[46] Das Album der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel 1665-1865. Hrg. von Franz Gundlach. Kiel 1915 (Reprint Nendeln 1980). S. 26. Nr. 1307.

[47] Vgl. Tholuck, August: Vorgeschichte des Rationalismus. Erster Teil: Das akademische Leben des siebzehnten Jahrhunderts. Zweite Abteilung: Die akademische Geschichte. Halle 1854. S. 70.

[48] Die Anfänge der Christian Albrechts Universität Kiel. Aus dem Nachlaß von Dr. Carl Rodenberg ... überarbeitet, ergänzt und herausgegeben von Volquart Pauls. Neumünster 1955 (QFGSH 31). S. 192f.

[49] Rodenberg/Pauls, Anfänge, S. 209. [50] Vgl. LB 1725,52.

[51] Vgl. Halfmann, Wilhelm: Christian Kortholt. Ein Bild aus der Theologie und Frömmigkeit im Ausgang des orthodoxen Zeitalters. Kiel 1930 (SVSHKG 1,17). S. 1f.; Volbehr, Friedrich und Richard Weyl: Professoren und Dozenten der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel 1665-1954. 4. Aufl. bearb. v. Rudolf Bülck, abgeschl. v. Hans-Joachim Newiger. Kiel 1956. S. 1.

[52] Vgl. Halfmann, Kortholt, S. 1-4; zu Kortholts Werken vgl. ebd., S. 17 und 62.

[53] Bülck, Walter: Geschichte des Studiums der Praktischen Theologie an der Universität Kiel. Kiel 1921. S 7ff.; ähnlich Tholuck, Vorgeschichte des Rationalismus 1, 1854, S. 71: "Man darf sagen, daß Kortholt mit seinem ganzen Herzen bereits gänzlich, wenngleich mit sehr vorsichtiger Zurückhaltung, auf Speners Seite steht,...". 

[54] Halfmann, Kortholt, S. 74 und 81f.; vgl. Peschke, Erhard: Bekehrung und Reform. Ansatz und Wurzeln der Theologie August Hermann Franckes. Bielefeld 1977. S. 41.

[55] Vgl. Anm. 54.

[56] Peschke, Bekehrung und Reform, S. 61-63.

[57] Ich stütze mich im folgenden auf Peschke, Bekehrung und Reform, S. 41-61. Peschkes Aufsatz ist auch wegen der zahlreichen und ausführlichen Quellenbelege zu empfehlen. Peschke stützt sich hauptsächlich auf folgende Schriften Kortholts: 1. Theologische zu Befoderung der Gottseeligkeit angesehene Tractätlein. Kiel 1679. 2. Vorbereitung zur Ewigkeit/ Oder/ Gründliche Anweisung/ Wie ein Mensch recht glauben/ Christlich leben/ und seelig sterben solle. Kiel 1679.

[58] Vgl. Rodenberg/Pauls, Anfänge, S. 193f.

[59] Halfmann, Kortholt, S. 4.

[60] Vgl. Rodenberg/Pauls, Anfänge, S. 199f.; Halfmann, Kortholt, S.4.

[61] Catalogus Lectionum in Academia Christiano-Albertina ... habendarum [WS 1681 - SS 1683]. Kiel (Joachim Reumann) 1682-1683 [UB Kiel].

[62] Francke immatrikulierte sich am 10.11.1679 in Kiel (Das Album der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel 1665-1865. Hrg. v. Franz Gundlach. Kiel 1915 (Reprint Nendeln 1980). S.22. Nr. 1083).

[63] LB 1725,52: "Der Hochverdiente Professor Primarius, Herr D. KORTHOLT, nahm uns auf in sein Hauß und an seinen Tisch, und machte mich bald theilhafftig seiner Bibliothec und genauesten Conversation, daß ich wie ein Sohn von ihm gehalten ward. Der Mann war in meinen Augen, wie alter Lutherus; und das in mehren Stücken, als man bey jemand suchen mögte."

[64] LB 1725,52f.: "Insonderheit war ich, unter andern respectibus, auch deßhalb zur rechten Zeit angekommen, weil KORTHOLTUS, wie er schon vieles contra Pontificios edirt hatte, eben in Begriff war, den methodum disputandi, e Scriptis Lutheri, Patrum, et Theologorum nostrorum contra adversarios, atque, ex horum scriptis, ad versum nos, ausführlich darzuthun: Daher ich bewogen worden, unter ihm als Respondens publice zu disputieren de Processu disputandi Papistico."

[65] LB 1725,53: "... ward mir von der Theologischen Facultät vergönnet, zugleich active Collegia privatim zu halten, nicht nur Homiletica, sondern auch andere Theologica, und darneben Examinatoria et Disputatoria."

[66] LB 1725,54: "Nechst dem allen, trug ich ein besonderes Verlangen, die sonst so sehr negligirte Theologiam Casualem gründlich zu untersuchen. Es war ein solch Collegium auf der Universität Kiel noch nicht gehalten; Jedennoch erhielte ichs von meinem Herren Hospite, D. Kortholt, dessen talent in consiliis Theologicis von mehren Jahren schon in Ecclesia aestimiret worden. Er seponirte deswegen eine Zeitlang andere Arbeit, schaffte ihm mehr rare dazu nöthige Schrifften an, theils alte, theils neuere, auch respectu probabilitatis Jesuiticae; um alles desto eigentlicher zu prüfen, und vor Augen darzulegen; und docirte also Casualia privatim, jedoch täglich, sehr gründlich und ausführlich: Welche Grundlegung mir in denen hernach conferirten wichtigen Kirchen=Ämtern wohl zu statten kommen ist, zum Preise GOttes." 

[67] Vgl. LB 1725,52f.

[68] Zu Wasmuth vgl. Volbehr/Weyl, Professoren 1956, S. 1; ADB 41,230- 232; Rodenberg/Pauls, Anfänge, S. 204f.; Catalogus Lectionum in Academia Christiano-Albertina ... habendarum [WS 1681/82 - SS 1683]. Kiel (Joachim Reumann) 1682-1683 [UB Kiel].

[69] Zu Franck vgl. Volbehr/Weyl, Professoren 1956, S. 1; ADB 7,248f.; DBA 336,170-173; Rodenberg/Pauls, Anfänge, S. 205; Catalogus Lectionum in Academia Christiano-Albertina ... habendarum [WS 1681/82 - SS 1683]. Kiel (Joachim Reumann) 1682-1683 [UB Kiel].

[70] LB 1725,52: "Und ob ich wohl unter andern auch Herr D. MORHOFF, den berühmten Polyhistorem, mit vieler Hochachtung ansahe: so ließ doch mein jetziger Zweck nicht zu, bey Erbauung der Stiffts=Hütte mich weiter umzusehen nach den thesauris AEgypti, als nur, wie ferne das, so man davon mitgebracht, zu appliciren wäre; welches auch Morhofius wohl merckete, und selbst billigte." Zu Morhof vgl. Volbehr/Weyl, Professoren 1956, S. 132; LL 8,222-224; ADB 22,236-242.

[71] LB 1725,55: "Nach dieser Zeit ward ich Raths, mit Anruffung GOttes, mich zu begeben gen Franckfurt am Mayn zu dem Herrn D. SPENERO, und gen Straßburg zu Herrn D. Sebast. SCHMIDIO, und, so es GOttes Wille, von dannen weitere Reisen zu thun."

[72] Brief Breithaupts aus Northeim an Kortholt in Kiel vom 30.10.1683 (UB Kiel, SH 406 A1, Nr. 15): "... hac ipsa hora currus Francofurtanos sum nactus, quibuscum me Francofurtum conferam, apud Venerabilem D. Spenerum aliquamdiu acturus, et deinceps, volente sic Deo, Argentoratum."

[73] LB 1725,55: "Als ich aber zu Franckfurt angekommen, fand ich da zu meinem Zweck so viel gutes, daß ich dessen nicht so bald satt werden, noch so gleich weiter hinreisen konte. Die Gottseelige bewegliche Wohlredenheit des treu=meynenden Herrn Past. HOLTZHUSII war bey mir/ gleich wie ein Magnet; und die gewaltige Solide Lehr=Art, und gantz unverdrossene, öffentliche und sonderliche, Bemühung des Herrn Senioris Speneri, kam mir nicht anders für, denn daß ich vor mir sehe das Exempel des Apostels Pauli, und in der Spenerischen Person dessen Worte hörete, aus der Apost. Gesch. c. XX. 35. Ich habe euch alles gezeiget daß man also arbeiten müsse."

[74] Nikolaus Bergius, geboren in Reval, 1677 Studium in Uppsala, in Gießen Magister, seit 1682 Studienreise durch Europa, 1687 erster französischer Prediger in Stockholm, 1700 Pastor und Superintendent in Narva, 1701 Generalsuperintendent in Livland, 1703 Professor in Pernau, 1704 Doktor der Theologie in Uppsala (Jöcher 1,991).

[75] Eintrag im Tagebuch des Nikolaus Bergius vom 3.12.1683 [UB Uppsala, N 1022a, fol. 76a]: "... in ipsius [sc. Speners] domo [..] Studioso Dn. Breithaupt cui insigno Testimon. Dn. D. Kortholtus in lit. suis ad Dn. D. Spenerium insigne eruditionis testimonia dedit." "Kortholtus qui hospes hujus studiosi fuerat, huius insignam rerum polemicorum notitiam omne [?] adfirmabat."

[76] Eintrag im Tagebuch des Nikolaus Bergius vom 15.12. und 21.12.1683 [UB Uppsala, N 1022a, fol. 77b und fol. 79b]: Cum Dn. Joachimo Justo Breithaupt de difficultatibus variis quibus Ministri verbi iungantur, inprimis aulici, quo non raro notores impios admittunt ad S. Coena." Ein weiteres Treffen war am 17.12.1683 (ebd., fol 78a).

[77] Vgl. Moller, Cimbria Litterata 1, 212.

[78] Eintrag im Tagebuch des Nikolaus Bergius vom 28.12.1683 [UB Uppsala, N 1022a, fol. 80a]. 

 

[79] Brief Breithaupts aus Northeim an Kortholt in Kiel vom 30. Oktober 1683 (UB Kiel, SH 406 A1, Nr. 15): "Lubecae quid adversi contigerit fatis meis, ex Domino Hinckelmanno iamdudum innotuisse arbitror. Neque tamen haec res ita me turbavit, ut a proposito itinere turpiter absistendum ducerem."

[80] Brief Breithaupts aus Frankfurt an Kortholt in Kiel vom 29.12.1683 (UB Kiel, SH 406 A1, Nr. 16): "Ex eo jam duos hic menses exegi, mihi ac studiis prorsus vacans, ...". "Collegium Ven. D. SPENERI Ecclesiasticum non possum non praedicare, cui ego quoque indignus licet, intersum colloquentium loco."

[81] ebd.: "Quanti caetera vir ille laboris, quam indefessae alacritatis, etiam in exercendis catecheticis, memorare vix queo."

[82] Vgl. Anm. 73.
[83] Spener, Sendschreiben 1677, 52.
[84] Vgl. Wallmann, Pietismus 1990, S. 57.

[85] Brief Breithaupts aus Frankfurt an Kortholt in Kiel vom 29.12.1683 (UB Kiel, SH 406 A1, Nr. 16): "Quam diu sim hic loci permansurus, nondum plane constitui: quanquam, Deo volente, haud ante Paschatos diem abitum hinc maturare cogito. Utinam interea quicquam officii monstretur, quod Tuo commodo exsequi possim,..."

[86] LB 1725,56: "Beyderseits riehten sie, ich möchte das Reisen einstellen, und mich in Predig=Ambt, (nach unterhandenen Vorschlägen) oder auf einer Universität, docendo niederlassen."

[87] Eintrag im Tagebuch des Nikolaus Bergius vom 3.1.1684 (UB Uppsala, N 1022a, fol. 81a).

[88] Eintrag im Tagebuch des Nikolaus Bergius vom 11.1. und 15.1.1684 (UB Uppsala, N 1022a, fol. 82a). Über die Düsseldorfer Stelle ist nichts näheres bekannt (vgl. auch ebd., fol. 87a [2.2.1684]).

[89] Eintrag im Tagebuch des Nikolaus Bergius vom 15.1., 16.1. und 26.1.1684 (UB Uppsala, N 1022a, fol. 82a, 84b, 85b).

[90] Eintrag im Tagebuch des Nikolaus Bergius vom 21.1., 1.2. und 4.2.1684 (UB Uppsala, N 1022a, fol. 85a, 86a, 87b).

[91] Eintrag im Tagebuch des Nikolaus Bergius vom 9.2.1684 (UB Uppsala, N 1022a, fol. 88a); vgl. Brief Breithaupts an Kortholt vom 30.10.1683 (UB Kiel, SH 406 A1, Nr. 15). Calov hatte im Jahre 1682 in seiner "Historia syncretistica" die Helmstedter Theologen schwer angegriffen.

[92] Eintrag im Tagebuch des Nikolaus Bergius vom 14.2.1684 (UB Uppsala, N 1022a, fol. 88b).

[93] Vgl. LB 1725,56.

[94] Empfehlungsschreiben des Herzogs August Friedrich an den Herzog Christian Albrecht vom 30.6.1684 (Schleswig-Holsteinisches Landesarchiv Gottorf, Abt. 7, Nr. 2082): Breithaupt habe "eine zeithero uff Ew. Hl. Universität zum Kiel, und anderen hohen Schulen mit großem Ruhm und approbation der Herren Theologorum studiret und zum Professore sich qualificirt gemachet, so daß Wir auß der ihm zugetragener Gewogenheit, die Wir auß seinen in unserer Schloßkirche für uns erbawlichen, und geistreichen gehaltenen Predigten geschöpffet, bewogen worden Ew. Hd. denselben zu recommendiren; dieselbe freundbrüderlich ersuchend, Sie geruhen bemelten Breithaupt mit der Professione ordinaria Homiletica beÿ Ihrer Universität Kiel zu begnaden, und also ihn den effect dieser unser freundbrüderlichen Intercession empfinden zu laßen; ..."

[95] Das Leben Jo. Wilhelmi Petersen, [...] Als Zeugens der Warheit Christi und seines Reiches, nach seiner grossen Oeconomie in der Wiederbringung aller Dinge. [...], [Halle: Renger] 1717 (Autobiographie). S. 61: "... erfreue mich auch noch, daß GOtt in Hollstein mich darzu gebrauchet, daß er auf der Universität Kiel Professor Homiletices ward, und dadurch zu groessern Aemtern den Anfang gemachet hat."

[96] Antwortschreiben des Herzogs Christian Albrecht an den Herzog August Friedrich vom 4. Juli 1684 (Schleswig-Holsteinisches Landesarchiv Gottorf, Abt. 7, Nr. 2082): "Wir mögen Ew.Hd. in freundbrüderlicher Antwort nicht bergen, und wird deroselben ohne dem schon bekandt seÿn, wie daß die Professio Theologica daselbst besetzet, und [..] vorjetzo kein platz darinn vacant, dahero das recommendirte Subjectum vor der Hand zu accomodiren nicht vermögen, versicheren dennoch, daß beÿ begebenden fall und künfftiger vacantz wir auff diese persohn gantz gerne werden

reflectiren,..."

[97] Vgl. Kortholts Werk "Die Schwere Bürde des Priesteramts" (1672), das Breithaupt im Jahre 1703 mit einer Vorrede versehen neu herausgab (Breithaupt-Bibl. Nr. 44).

[98] Vgl. Rodenberg/Pauls, Anfänge, S. 243; Bülck, Geschichte der Praktischen Theologie, S. 15-18; Köster, Burchard Friedrich: Geschichte des Studiums der practischen Theologie auf der Universität zu Kiel. Altona 1825. S. 7-14.

[99] LB 1725,56: "Nachdem in Hollstein wieder angelanget, ist mir bald die Professio Publica in Homileticis gnädigst conferirt; welche vom Anfang der Kielischen Universität bey der Facultate Theologica besetzt, zu der Zeit aber einige Jahre vacant gewesen war..."; vgl. Bülck, Geschichte der Praktischen Theologie, S. 17; Rodenberg/Pauls, Anfänge, S.244f.

[100] Vgl. Volbehr/Weyl, Professoren 1956, S. 176. [101] Vgl. LB 1725,57, und Breithaupt-Bibl. Nr. 2.

[102] Catalogus Lectionum in Academia Kiliensi ... habendarum [WS 1684/85]. Kiel (Joachim Reumann) 1684 [UB Kiel]: "Docebit publice Homileticam sacrorum textuum interpretationem seu explanationem, praecipue pro multiplici ipsorum differentia; praecepta exemplis illustrabit, et quae ab Augustino de Doctrina Christiana sunt tractata, ex eo proponet atque inculcabit: relaturus omnia ad usum popularem, ad quem Homileticus spectare potissimum debet. Privatim studium suum Hodogetico Carpzoviana declarando dicavit ...; vgl. Bülck, Studium der Praktischen Theologie, S. 18; Rodenberg/Pauls, Anfänge, S. 246f.

[103] Catalogus Lectionum in Academia Christiano-Alberina ... habendarum [SS 1685]. Kiel (Joachim Reumann) 1685: "Construent inde homilias Dnn. Auditores, quas ex ordine in aede sacra proponere, et actionem pariter atque elocutionem moniti emendare queant."

[104] Vgl. Breithaupt-Bibl. Nr. 3.

[105] Catalogus Lectionum in Academia Christiano-Albertina ... habendarum [WS 1685/86]. Kiel (Joachim Reumann) 1685 [UB Kiel]: "Nunc eam curam et desideratam a multis operam suscipiet, ..., ut in locis Theologicis ostendat singulis, quid ad eorum facilem planamque tractationem, ad nervosas atque e penitissima Philosophia et Theologica depromtas locutiones et artium vocabula populari orationis genere circum vestienda, ad distincte proponendam Fidei praxin,..."; vgl. LB 1725,57: "...daß die Academische Jugend zum erbaulichen predigen angeleitet und instruiert würde." 

[106] LB 1725,57: "Und ob ich wohl daneben allerley Collegia privata von neuen anfieng, so wendete gleichwohl den meisten Fleiß darauff, daß mit gewissen Auditoribus die gantze Biebel Alt= und Neuen=Testaments homiletice durch excerpirete."

[107] Vgl. PD 78,27-79,24.

[108] Christian Kortholt, Theologische Tractätlein 1679, S. 32f (zitiert nach Peschke, Reform und Bekehrung, S. 58).

[109] LB 1725,60: "..., nachdem ich erst zum Kiel pro Gradu Theologico disputirt, de Ministerio Ecclesiastico."

[110] Entwurf der Dimissionsurkunde, Hamburg, 20.11.1685 (Schleswig- Holsteinisches Landesarchiv Gottorf, Abt. 7, Nr. 2082).

[111] Vorwort zur Meiningischen Abschiedspredigt vom 10. April 1687 (Breithaupt-Bibl. Nr. 5), S. 8: "Soll ich die Wahrheit nicht bergen/so gedencke ich billich an die Sünde meiner Jugend/ da ich viel Jahre für der schweren Priester=Bürde mit Jona geflohen bin/ und mehrmahlen solche Beruffungen abgelehnet und ausgeschlagen/ dadurch mir eine ziemliche Thür geöfnet wurde in dem Wein=Berge des HErrn zu arbeiten."

S. 9: "Siehe da fasset mich der HErr unversehens gleichsam oben bey dem Schopf wie Habacuk/ und führet mich wie ein starcker Wind/ dem ich nicht wiederstehen mochte/ aus der Ferne gen Meiningen an einen Hoch=Fürstl. Hoff/ ob ich gleich meinete zu keinem Ruf weniger geschickt zu seyn/ als dazu."

S. 81: "Danck sey meinem gnädigsten Fürsten und Herrn/ daß Er mich eines so Göttlichen Beruffs gewürdiget/ einen gantz frembden Menschen/ den er nie gesehen/ nie gehöret hatte."

[112] Vgl. Loringhoven, Stammtafeln I, 50. [113] Vgl. LB 1725,59.
[114] Vgl. AFSt A 124, 129b.

[115] LB 1725,60: "Und ist hernach diese neue Station, wiewohl gleichfals nicht lange, jedoch desto reichlicher, beym Fürstl. Hoffe und Lande, von dem Allmächtigen benedeyet. Wozu aber ein guter Grund daselbst schon geleget, und längst vorhanden gewest; Zumahlen die Ernestinischen Anstalten/ besonders zum catechesiren, noch vor meiner Ankunfft, in steten und täglichen Exercitio sorgfältiglich erhalten waren. Zu meiner Zeit florirten die Kirchen- und Schul=Visitationes alda, von welchen wir Visitatores unterthänigst relation stets zu thun hatten: Absonderlich aber ward mir nechst einem Politischen Consiliario, committiret eine mit vielem Seegen A. 1686 expedirte Visitatio des Hennebergischen Gymnasii illustris zu Schleusingen."

Am Gymnasium in Schleusingen lehrten zu dieser Zeit der spätere Altorfer Theologe Schade als Rektor und der Theologieprofesor und Superintendent Christoph Sonntag als Ephorus.

Die Grafschaft Henneberg mit Schleusingen gehörte zur Zeit Breithaupts zum Herzogtum Sachsen-Meiningen (vgl. Köbler, Lexikon, S. 244f.599).

[116] Brief Breithaupts aus Meiningen an Kortholt in Kiel vom 7. Juli 1686 (UB Kiel, SH 406 A1, Nr. 17).

[117] Vgl. Meiningische Abschiedspredigt, S. 80-88 (Breithaupt-Bibl. Nr. 5.).